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Book of Kells – ein Werk von Engeln

Ein Buch so schön und aufwändig verziert, dass es das Werk von Engeln sein müsse. So beschrieb vor vielen Jahrhunderten ein Reisender das Book of Kells. Das Buch der Kelten ist eines der bedeutendsten mittelalterlichen Bücher der Welt und das am besten erhaltene Zeugnis der irischen Buchmalerei. Noch heute beeindruckt es Forscher und Laien gleichermaßen. Zu bewundern ist es im Trinity College in Dublin.

Der Long Room im Trinity College Dublin
Der Long Room im Trinity College Dublin, Book of Kells

Als im 5. Jahrhundert nach Christus St. Patrick und andere christliche Missionare nach Irland kamen, begann eine Zeit der Synthese: Der keltische Naturglaube und die christliche Lehre trafen aufeinander und brachten circa drei Jahrhunderte später gemeinsam einen der wichtigsten irischen Kunstschätze hervor, das Buch der Kelten. Es enthält die lateinischen Texte der Evangelien von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Doch zu einem Schatz machen das Buch, das vor allem für sakrale Zwecke gebraucht wurde, erst die kunstvollen und komplexen keltischen Malereien, die auf fast jeder seiner 680 Seiten zu finden sind.

„Schaust du ganz genau hin und dringst mit den Augen in die Geheimnisse der Kunstfertigkeit ein, dann entdeckst du Feinheiten so zierlich und zart, so eng beisammen und ineinander verwoben, so verschlungen und zusammengerankt und so frisch noch in der Färbung, dass du nicht zögerst zu erklären, dass all diese Dinge nicht das Werk von Menschen, sondern nur von Engeln sein können.“ So berichtet der Kirchenverwalter, Schriftsteller und Historiker Giraldus Cambrensis, hierzulande besser bekannt als Gerald von Wales, im 12. Jahrhundert über das Book of Kells.

Die Malereien im Book of Kells

Book of Kells, Folio 114v, Arrest of Christ
Book of Kells, Folio 114v, Arrest of Christ

Tatsächlich ist die Kunstfertigkeit der Buchmaler, die in diesem Manuskript zu sehen ist, einzigartig. Mit einfachsten Mitteln erzielten die Künstler beeindruckende Resultate. Den Aufbau der Seiten legten sie mit Hilfe von Linealen, Kompassen und karierten Linien fest, die sie mit freier Hand zogen. Forscher identifizierten bisher drei Schreiber, die die Evangelien übertragen haben. An den Malereien dürften wesentlich mehr Künstler beteiligt gewesen sein, denn nur zwei Seiten des Manuskripts enthalten keine farbigen Abbildungen. Die übrigen Seiten sind reich verziert und lassen verschiedene Stile erkennen. Anfangsbuchstaben, aber auch Buchstaben innerhalb des Textes, sind liebevoll und mit teilweise winzigen Details ausgestattet. Mehr als 2.000 solcher verzierter Buchstaben gibt es im Book of Kells, jeder davon ist einzigartig. Die Illustrationen sind zum Teil so klein, dass man sie nur mit Hilfe einer Lupe genau erkennen kann. So ist zum Beispiel die Figur des Heiligen Lukas auf Seite 201 des Manuskripts nur unter einer 10-fachen Vergrößerung bis ins letzte Detail zu erkennen.

Besonders beeindruckend sind jedoch die ganzseitigen Illustrationen, die das Buch enthält. Dort finden sich verschlungene Ränder, endlose Spiralen und Knoten, magische Bestien und filigrane Naturmuster. Sie sind stark vom keltischen Stil der La-Tène-Kunst geprägt, die bereits 500 Jahre vor Christus entstand. Auch die Abbildungen von Christus oder den vier Evangelisten weisen Elemente dieser keltischen Kunst auf. Die Verbindung von keltischer Tradition und christlichen Inhalten macht das Book of Kells zu einem ganz besonderen Werk. Noch heute lassen sich Künstler und Kunsthandwerker von den detaillierten und wie magisch wirkenden Abbildungen aus dem Buch inspirieren.

Das Material und die Farben

Der Aufwand, der für die Herstellung des Buches betrieben wurde, war enorm. Die Seiten des Book of Kells wurden aus Vellum gefertigt, einem sehr feinen Kalbsleder, dessen Oberfläche feinstem Velours ähnelt. Sie nimmt Tinte und Farbpigmente optimal auf. Mehr als zehn verschiedene Farben wurden für Schriften und Malereien im Book of Kells verwendet, die noch heute kräftig und nur wenig verblasst sind. Für das Blau wurde mit Lapislazuli gearbeitet, die intensiven Purpur- und Pinktöne wurden aus Pflanzen gewonnen, der leuchtende Goldton stammt von Orpiment, einem gelben Mineral, und Grün wurde aus Kupferpigmenten hergestellt. Einige der Farben wurden von weither an den Entstehungsort des Buches gebracht, der Lapislazuli zum Beispiel stammte vermutlich aus dem Norden Afghanistans.

Herkunft und Entstehung

Über die Herkunft des Book of Kells, auch als Book of Columba bekannt, herrscht Uneinigkeit. Einige Wortspiele und Ornamente weißen jedoch auf die schottische Insel Iona und das Kloster St. Columba hin. Genau datieren lässt sich die Entstehung des Buches ebenfalls nicht. Experten zufolge kann es kaum später als um 800 nach Christus geschrieben worden sein. Nach dem Angriff der Wikinger flohen die Mönche um 806 nach Irland, in das Kloster Kells. Ob das wertvolle Buch in Kells fertig gestellt oder gänzlich in Iona produziert wurde, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Um 800 war Irland eine Hochburg der Schriftkultur und christlichen Religion; Irland galt als die Insel der Heiligen und Gelehrten. So entstanden im späten siebten und achten Jahrhundert vor dem Book of Kells noch weitere Werke insularer Buchkunst: das Book of Durrow, das heute ebenfalls in der Bibliothek des Trinity College aufbewahrt wird und das Book of Lindisfarne, das in der britischen Nationalbibliothek in London steht.

Anfahrt, Preis und Öffnungszeiten

Das Trinity College mit seiner Alten Bibliothek, die auch ohne das Book of Kells einen Besuch wert ist, liegt im Herzen von Dublin und ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die DART-Haltestellen (Dublin Area Rapid Transit) Pearse Street und Conolly Station sind einen Fußmarsch entfernt, auch die Dubliner Tram (LUAS) hält nicht weit vom Gelände an der Lower Abbey Street.

Geöffnet ist die Ausstellung des Book of Kells, „Turning Darkness into Light“, Montag bis Samstag von 9:30 bis 17 Uhr und Sonntags von Mai bis September von 9:30 bis 16:30 Uhr und von Oktober bis April von 12 bis 16:30 Uhr. Erwachsene zahlen 9 Euro Eintritt, Studenten und Rentner 8 Euro. Für Kinder unter 12 Jahren ist der Besuch kostenlos. Außerdem gibt es verschiedene Gruppen-Ermäßigungen.

Mehr über das Book of Kells und das Trinity College erfahren Sie auf der Website des College unter http://www.tcd.ie

Text: Anne Röhling

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