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Irland – die Insel der Pflanzsüchtigen

In Irland kommen Gartenfans voll auf ihre Kosten. Dank der pflanzsüchtigen Iren, die weite Teile der grünen Insel in eine sehenswerte Gartenlandschaft verwandeln.

Die Grüne Insel ist voll von ihnen. Überall wimmelt es von sogenannten „plantaholics“, den Pflanzsüchtigen. Mit ihrem sprichwörtlich grünen Daumen verwandeln sie weite Teile Irlands in eine beeindruckende Gartenlandschaft. Pate für die Blüten- und Blumenpracht, die die Grüne Insel nicht von ungefähr zu einem Mekka für Pflanzenliebhaber und Botaniker aus aller Welt avancieren lässt, steht dabei das durch den warmen Golfstrom begünstigte, milde Klima. Und dies nicht nur in den Küstenregionen.

Powerscourt Garden in der südost-irischen Grafschaft Wicklow
Powerscourt Garden in der südost-irischen Grafschaft Wicklow

Auch in der südost-irischen Grafschaft Wicklow findet sich mit Powerscourt Garden ein Paradebeispiel irischer Gartenbaukunst.

Das fast 190.000 Quadratmeter große Garten am Fuße des Sugar Loaf Mountain wird bis zum heutigen Tag von der Handschrift zweier Männer geprägt: des siebten Viscount von Powerscourt und seines Baumeisters Daniel Robertson, eines führenden Vertreters des italienischen Gartendesigns, nach dessen Plänen im 19. Jahrhundert weite Teile des Anwesen neu gestaltet wurden. Obschon in Irland die Hungersnot wütete, setzte der detailverliebte Viscount ab 1844 zeitgleich bis zu 100 Arbeiter zum Bau der italienischen Terrassen ein, die heute noch das Herzstück der beeindruckenden Gärten bilden. Die Aufsicht führte der gichtkranke Robertson, der sich dem Vernehmen nach in einer Schubkarre durch die Gegend fahren ließ – die Flasche Sherry, die zur Betäubung der Schmerzen diente, immer griffbereit.

Neben einem japanischen Garten und dem längsten Kräutergarten Irlands gehört auch ein Hundefriedhof zu den weiteren Besonderheiten der Parkanlage. Teil von Powerscourt ist auch ein Wasserfall, der 120 Meter in die Tiefe stürzt und damit Irlands höchste Kaskade ist. Das vom Flüsschen Dargle gespeiste Naturschauspiel diente als Kulisse von zahlreichen Hollywood-Filmen wie Excalibur. Auch für Black Beauty (1971), Remington Steele (1987), Moll Flanders (1996), Der Graf von Monte Christo (2002) und das Historiendrama König Artus (2004) wurde Powerscourt in Szene gesetzt.


Mount Usher Gardens, Photography: Maria Vlahos

Mount Usher Gardens

Als eine Perle der Natur entpuppen sich auch die 1868 am Ufer des River Vartry angelegten Mount Usher Gardens , mit ihren seltenen Bäumen, Sträuchern und Blumen – darunter allein 70 verschiedene Eukalyptusarten.

Der rebellische Gartenphilosoph William Robinson stand für diesen entfesselten Landschaftsgarten an der Ostküste circa 50 Kilometer südlich von Dublin Pate. Riesenhafte Baumexoten, Buschwerk und wimpelnde Blumenpfade sind hier so natürlich zueinander gesellt, dass der Besucher durch ein wildes Paradies spaziert, das es so wohl nirgendwo sonst auf der Welt in natura gibt.

Garteninsel Garinish Island

Garinish Island - Foto: Eliane Zimmermann
Garinish Island - Foto: Eliane Zimmermann

Garinish Island lebt von den Bäumen, den Sträuchern, den Stauden, den Rhododendren und Azaleen aus aller Welt. Begeben wir uns auf einen kleinen Insel-Rundgang.

Die subtropische Pracht auf der Insel wurde erst möglich durch zwei Baumarten, die dort besser gedeihen als in ihrer Heimat Kalifornien: Pinus radiata und Cupressus macrocarpa. Erstere ist die Monterey-Kiefer, eine wärmeliebende Kiefernart, die mit ihren langen Nadeln und ihren breiten knorrigen Stämmen im Lauf der Jahrzehnte einen dichten Vorhang gegen die Winterstürme bilden konnte.

Hier lesen Sie mehr: Garteninsel Garinish Island

The Irish National Stud

Etwas außerhalb von Kildare, der Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft, ist das irische Nationalgestüt von Tully, The Irish National Stud, beheimatet.

Zu den Besonderheiten des Gestüts zählt der zwischen 1906 und 1910 von Tassa Eida und dessen Sohn Minoru angelegte japanische Garten , der eine „Reise durch das Leben” darstellt. Durch das „Tor des Vergessens” betritt man den Garten, folgt dem „Pfad des Lebens” entlang wundervoller Blumenrabatte und Bäume. Weiter geht es durch den „Tunnel der Unwissenheit” über die „Brücken der Verlobung und Heirat” in das „Labyrinth des Ehrgeizes” und über die „rote Brücke des Lebens”, bevor die ungewöhnliche Reise im „Garten des Friedens” endet, der die Gelassenheit des Alters symbolisiert.

Seit 1999 bereichert zudem der St. Fiachra´s Garden das Gelände des Nationalgestüts. Hier fügen sich nachgebaute Einsiedlerhütten charmant in ein Ensemble aus Bäumen und Gewässern ein.

John F. Kennedy Arboretum

Eine Pflanzensammlung von internationalem Ruf stellt auch das John F. Kennedy Arboretum bei New Ross in der Grafschaft Wexford dar. Die prächtige Anlage ist dem Andenken des ermordeten John F. Kennedys, von 1960 bis 1963 Präsident der Vereinigten Staaten, gewidmet. Das Arboretum erstreckt sich am südlichen Hang und Gipfel des Slieve Coillte über eine Fläche von 252 Hektar; 4.500 Baum- und Straucharten aus allen gemäßigten Zonen der Welt sind hier gepflanzt worden. Es gibt 200 Waldstücke, die nach Kontinenten gruppiert sind.


Kilmokea Gardens in der Grafschaft Wexford

Kilmokea Gardens

Mit den Kilmokea Gardens verfügt die Grafschaft Wexford über ein weiteres, kleines aber feines Aushängeschild irischer Gartenbaukunst. Das drei Hektar große Areal um das Herrenhaus Kilmokea Country Manor gliedert sich in einen von einer Mauer umgebenen Formgarten und den Lower Garden. Letzterer besticht durch eine Auswahl an seltenen Bäumen und Sträuchern.

Darunter Rhododendren, Magnolien, Kamelien und riesiges Borretsch (Gurkenkraut), während der Formgarten von Iris- und Rosenblüten dominiert wird.

Lismore Castle

Am Stadtrand von Lismore in der Grafschaft Waterford befinden sich die ältesten Gärten des Landes. Rund um Lismore Castle (www.lismorecastle.com ), dessen älteste Teile aus dem 12. Jahrhundert datieren, gibt es ein sieben Hektar großes Blumen- und Blütenmeer.

Hinzu kommt eine stattliche Anzahl von Magnolien, Rhododendren und Kamelien, zwischen denen immer wieder moderne Skulpturen zu finden sind. Besonders sehenswert ist der Walled Garden, der 1605 nach Plänen von Richard Boyle angelegt wurde und noch immer vieles von seinem ursprünglichen Charme bewahrt hat.


Bantry House

Bantry House

Derweil wird Bantry wie kaum ein anderer Ort an der Westküste von den Ausläufern des Golfstroms verwöhnt. Einen architektonischen Akzent setzt hier das Bantry House, ein Juwel georgianischer Bauart aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Die dazugehörigen Gärten beheimaten eine Reihe tropischer Pflanzen. Mächtige Palmen und Zedern, Fuchsien und meterhohe Agaven prägen gleichermaßen das Bild. Einen besonderen Blickfang bilden die Hundred Steps, eine monumentale Steintreppe, die von Azaleen und Rhododendren flankiert wird.

Gärten von Ballynacourty

Rund 25 Kilometer westlich von Limerick liegen die drei Hektar großen Gärten von Ballynacourty (www.castlesireland.com/ballynacourty.html ), die aus einer Reihe kleinerer Gärten bestehen.

Da gibt es Blumen- und Obstgärten, einen Gemüsegarten und Rosengärten. Ein besonderes Highlight ist hier ein Weg durch von Lavendel gesäumte Goldregensträucher und -bäume.


Muckross House

Muckross House

Eine Perle im Killarney National Park ist fraglos das im Tudor-Stil erbaute Muckross House, ein Schloss inmitten einer großzügigen Parkanlage. Im Jahre 1843 nach Plänen des schottischen Architekten William Burn für Henry Arthur Herbert und seine Frau, die Künstlerin Mary Balfour Herbert, erbaut, beherbergt das imponierende Herrenhaus heute das Kerry Folklife Centre, das dem Leben der Landbevölkerung im 19. Jahrhundert gewidmet ist.

Während der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Herberts in Erwartung eines Besuchs von Queen Victoria mit der Anlage des Gartens. 1861 konnte sich die Monarchin dann vor Ort selbst von der Pracht der Grünanlage überzeugen. Im Jahr 1932 vermachte William Bowers Bourn das Haus nebst dem gesamten Anwesen dem irischen Staat. Dieser packte die Gelegenheit beim Schopfe und rief Killarney zum ersten National Park des Landes aus.

Bourn Vincent Memorial Park

Der nach dem Spender benannte Bourn Vincent Memorial Park erweist sich als ein Meer an Rhododendren, Azaleen und Magnolienbäumen. Auch mächtige Eichen, uralte Eiben und Erdbeerbäume fallen ins Auge – Zeugen aus einer Zeit, als Irland noch dicht bewaldet war. Ein besonderes Fleckchen inmitten des Nationalparks ist auch der Ladies View, ein Aussichtspunkt, von dem aus sich ein atemberaubender Blick auf drei Seen bietet.

Der Name geht auf die weiblichen Bediensteten von Queen Victoria zurück, die während einer Urlaubsreise im Gefolge der Königin von der Aussicht schier überwältigt gewesen sein sollen.

Kylemore Abbey

Derweil gilt Kylemore Abbey, im westlichen Connemara gelegen, als klassisches Beispiel für einen viktorianischen Garten in strenger Formalität.

Geadelte Pflanzenraritäten, die auf die Jahrhundertwende zurückgehen, werden hier am Ufer des Lough Poolacappul in stilvoller Anlage eines Walled Gardens vor phantastischer Bergkulisse kultiviert und dürfen jedes Jahr einen anderen Reigen tanzen.

Rund um den einstigen Landsitz des Kaufmanns und Politikers Mitchell Henry wurden exotische Pflanzen wie Douglas-Fichten, Sequoiem, Taxidien und Kamelien angepflanzt, während im Gewächshaus Bananen, Trauben und Pfirsiche gedeihen.

Gärten im Norden Irlands

Auch im Norden der Grünen Insel kommen Gartenliebhaber voll auf ihre Kosten. In der Hauptstadt Belfast befindet sich direkt an die Queen’s University angrenzend der liebevoll gestaltete Botanic Garden.

Die Oase der Ruhe wurde 1828 eingeweiht. Das Palm House, eine Glas- und Eisenkonstruktion des Dubliner Eisengießers Richard Turner, war das erste seiner Art weltweit. Ein weiteres Paradebeispiel viktorianischer Gartenbaukunst inmitten des botanischen Gartens ist die Tropical Ravine, eine tropische Schlucht mit exotischen Pflanzen wie Lilien, Orchideen, Guaven oder Bananenstauden.

Südlich von Newtownards liegen am Ufer des Strangford Lough die Gärten von Mount Stewart (www.nationaltrust.org.uk/main/w-mountstewart ), die für viele die schönsten in ganz Irland sind. Neben dem Herrenhaus, dem Stammsitz der Stewarts, mit seiner grandiosen Banketthalle, dem „Temple of the Winds“, fasziniert besonders die weitläufige Parkanlage auf der Ards Peninsula. Das Areal mit seinen überaus seltenen und farbenfrohen Pflanzen war 1921 von Lady Edith, der Frau des siebten Marquis von Londonderry, entworfen worden.

Die prächtige Grünanlage ist in 17 unterschiedliche Bereiche gegliedert und deckt die gesamt Bandbreite der Gartenbaukunst von streng formalen italienischen Gärten bis hin zum Landschaftspark nach englischem Vorbild ab. Überaus ungewöhnlich sind die vielen Statuen, die Dinosaurier, Meerjungfrauen und Tiere zeigen.

Text: Karsten-Thilo Raab

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