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The Dubliners

Viel mehr als das Jahr 1962 als Zeitpunkt ihrer Gründung scheinen The Dubliners und The Rolling Stones auf den ersten Blick nicht gemein zu haben. Die irische Folkband Nummer 1 hat niemals Fernseher aus dem Fenster geworfen, zumindest nicht bekanntermaßen hunderte von Frauenherzen gebrochen, sie schleppte keine Verstärkerburgen durch die Welt und benötigte auch keine Scharen von Anwälten und Finanzberatern, um sich selbst am Leben zu erhalten. Eines aber ist dann doch beiden Gruppen gelungen: Sie sind zur unsterblichen Legende geworden.

Barney McKenna, John Sheahan, Seán Cannon, Eamonn Campbell, Patsy Watchorn
Barney McKenna, John Sheahan, Seán Cannon, Eamonn Campbell, Patsy Watchorn

Geahnt haben das dereinst weder Mick Jagger noch John Sheahan. Als Letzterer 1964 zu der kurz zuvor in O’Donoghue’s Pub zu Dublin (wo sonst?) gegründeten Band stieß, „da hat keiner von uns, glaube ich jedenfalls, über mehr als das nächste Jahr nachgedacht. Als ich ein paar Jahre später meinen Job als Elektriker aufgab“, lacht der 70-Jährige freundlich in den weißen Bart, „da rieten mir alle, bloß den Werkzeugkoffer zu behalten, weil ich ihn garantiert in zwei, drei Jahren wieder brauchen würde. Spätestens.“ Wo dieser Koffer heute steht, muss nun niemand mehr erfragen. Sheahan ist zum einen längst im Rentenalter und zum anderen immer noch ein Dubliner.

Das ist nicht etwa eine sozialversicherte Anstellung, sondern, wie Sheahan sagt, „vielmehr eine Lebenseinstellung.“ Und zwar eine der etwas anderen Art. „Als wir damals nach ein paar Jahren von unserem Manager gesagt bekamen, wir müssten jetzt alle miteinander Verträge schließen, die uns aneinander binden und gegeneinander absichern“, grinst er breit übers freundliche Gesicht, „da haben wir das diskutiert. Wir fanden das sehr schnell alle Unsinn, weil so etwas überhaupt nicht zum Wesen von Musik passt. Kurz darauf hatten wir keinen Manager mehr, dafür aber sind wir bis heute Freunde geblieben.“ Und eben Dubliners.

Echter als die Dubliners zu sein ist ein Ding der Unmöglichkeit...
Echter als die Dubliners zu sein ist ein Ding der Unmöglichkeit...

Als solche stehen sie für ihre Fans in untadeligem, für alle anderen in, sagen wir mal, von vergilbten Kerzen gespendetem Licht. Oder anders: Die Dubliners im Besonderen und der Irish Folk , für den sie wie keine andere Band stehen, im Allgemeinen gelten gern einmal als leicht verstaubter Anachronismus. Die schlimmsten Jahre aber sind für Sheahan und seine Kollegen Barney McKenna (70), Seán Cannon (69), Eamonn Campbell (63) und Patsy Watchorn (67) wohl vorüber.

Die vermaledeiten Achtziger voller Hedonisten-Pop und Jugendwahn waren nicht der Dubliners besten Jahre, wenngleich die Klientel treu zu ihnen hielt. „Aber heute“, freut sich Sheahan, „sehen wir endlich auch wieder andere Gesichter vor unseren Bühnen.“ Seit der Pop, zu dem ja auch die Dubliners im weiteren Sinne durchaus zählen, nicht länger als Sache einer und einer zudem eher jungen Generation begriffen wird, kommen nämlich zunehmend auch Twens und manchmal sogar Teens in ihre Konzerte, „und wenn ich die dann frage, weshalb sie sich so alte Männer wie uns ansehen, dann heißt es immer: weil wir der ganzen synthetischen Musik müde sind. Die mögen es einfach zu hören, was sie sehen. Identifizieren kann man sich doch sowieso nur mit Dingen, die echt sind.“ Und echter als die Dubliners zu sein ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Dem sanften Wandel allerdings, sagt John Sheahan, sei die Band durchaus aufgeschlossen. „Zwar erklären wir die Bühne abseits vom ’Irish Rover’ oder ’Whiskey In The Jar’ nicht unbedingt zum Versuchslabor“, sein Lächeln bleibt einnehmend, „und wir erschrecken auch niemanden mit wilden Experimenten. Als wir uns aber einst zum Duett mit dem leider inzwischen verstorbenen Rory Gallagher einfanden, da hat dieses Duett schon unseren Sound verändert, und das war auch Absicht und eine gute Sache.“ Ihre Konzerte blieben dennoch verlässlich Dubliners-Konzerte.

Und das allen Umbesetzungen zum Trotz, die ja leider nicht immer freiwillig geschahen. Drei Bandmitglieder sind mittlerweile verstorben, „eine Sache“, wie John Sheahan mit leicht melancholischem Unterton sagt, „auf die man sich niemals einstellen kann. Unsere Band ist nach all den Jahren wie eine Familie, da ist es stets so, als sterbe ein Bruder. Uns kommt es oft so vor, als stünden die Geister der Toten bis heute neben uns auf der Bühne.“

Wird denn den Dubliners, deren Konzerte für gewöhnlich lange im Voraus ausverkauft sind, überall der gleiche Respekt erboten oder gibt es gute wie schlechte Jagdgründe für Sheahan & Co.? „Das deutsche Publikum“, sagt John Sheahan und guckt dabei so, als habe ihm gerade jemand einen doppelten Irish Whiskey geschenkt, „ist immer außergewöhnlich enthusiastisch, ich weiß auch nicht genau, warum das so ist.“ Er streicht sich durch den Bart, „das Einzige, was wir uns nur in Deutschland niemals leisten könnten, ist mehr als fünf Minuten zu spät auf die Bühne zu kommen.“ Erst kürzlich, wenden wir ein, habe sich aber Paul McCartney in Hamburg einen Delay von 75 Minuten geleistet. „Hat er sich wenigstens entschuldigt?“ Nein, hat er nicht, er ist schließlich ein Beatle. John Sheahan schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch, „Fuck the Beatles! Die sind doch nicht Gott!“

Versuchen wir also, einen versöhnlichen Abschluss des schönen Gespräches zu finden. Was vermisst ein Ire, was vermisst John Sheahan als Ire als erstes, wenn er die grüne Insel verlassen hat? „Wir vermissen ja im eigenen Land schon viel, seit wir in der EU sind“, grinst Sheahan, „zuerst war unser schönes Pfund weg, dann wurden alle Straßenschilder von Miles in Kilometer geändert. Wenigstens aber fahren wir noch auf der falschen Seite.“ Er grübelt kurz, „was ich allerdings fern der Heimat vermisse ist dies: Ich kann nicht mehr einfach so im Pyjama ’runter zum Frühstück gehen. Obwohl“, Sheahan schaut sich im gediegenen Hotel-Foyer um, „vielleicht sollte ich es gleich hier mal morgen früh versuchen?“ Das wäre dann der Moment, in dem John Sheahan doch noch zum Rockstar würde.

The Dubliners Tour

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