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Der Wunsch, Garinish Island zu besitzen ...

Der innige Wunsch, Garinish Island zu besitzen, muss bei einem der Sommerbesuche im Schloss von Glengarriff geboren worden sein.

Die Casita auf Garinish Island, Foto: Eliane Zimmermann
Die Casita auf Garinish Island, Foto: Eliane Zimmermann

Violet jedenfalls hatte die einen Steinwurf über dem Wasser liegende Insel genau ausgeguckt und das Objekt der Begierde ihrem Gatten John Annan schmackhaft gemacht. Das Egebnis ist bekannt.

John Annan Bryce allerdings sollte an der gestellten Aufgabe “Garinish Island” scheitern: Das Geld ging aus, das geplante Herrenhaus wurde nie gebaut. Bryce starb im Jahr 1923, ohne jemals auf Garinish Island sesshaft geworden zu sein. Witwe Violet hatte von nun an zu improvisieren – und sie hielt sich wacker. Die resolute Frauenrechtlerin, die Freundin der Literaten George Bernard Shaw und George Russell, die Kämpferin für die Freiheit Irlands, die Gründerin einer Irischen Sprachschule und einer lokalen Landwirtschafts-Kooperative lebte auf Garinish Island und öffnete den Besitz der Not gehorchend für Besucher. Sie holte den schottischen Gärtner Murdo Mackenzie auf die Insel und lebte fortan in dem kleinen Cottage, das in den Gründerjahren im Nordost-Teil für den Chef-Gärtner gebaut worden war.

Bald teilte sich eine Schicksalsgemeinschaft das erweiterte Gärtnerhaus auf der Insel: Violet, die Dame, Murdo, der Gärtner, Maggie O´Sullivan, die irische Verwalterin und Mädchen für Alles, die im Alter von 14 Jahren in die Dienste der Familie Bryce eingeteten war – und Sohn Roland. Roland hatte sich nach dem Tod des Vaters Stück für Stück von seiner beruflichen Karriere verabschiedet und stellte die zweite Lebenshälfte ab 1932 ganz in den Dienst von Garinish Island – im Gegensatz zu seinen drei Geschwistern, die ein städtisches Leben in England vorzogen.

Gerne wurde das Ehepaar Bryce als die Robinsons des beginnenden 20. Jahrhunderts stilsiert: Sie kamen in die Wildnis, übernahmen eine unberührte und unerschlossene Insellandschaft und schufen daraus den Garten Botanien. Nur ein alter verlassener Wehrturm aus dem Jahr 1815 kündete von früheren zivilisatorischen Bemühungen. Tatsächlich hatten die britischen Besatzer auf dem höchsten Hügel von Garinish einen Martello Tower gebaut. Er war Teil einer Turmkette entlang der Südwestküste und sollte Schutz vor Napoleons Großmachtansprüchen bieten. Schon nach wenigen Jahren ließ das Interesse an der antiquierten Verteidungsform nach, die Britischen Truppen verließen die Insel, und Garinish verfiel offiziell wieder in tiefen Dornginster-Schlaf. Bis zum Jahr 1910. Wirklich?

Was die Bryces wirklich antrafen, als sie den “nackten Felsen” im Jahr 1910 übernahmen, geht aus einem historischen Photo aus dem Jahr 1905 und aus den Volkszählungsbögen aus den Jahren 1901 und 1911 hervor: Auf der Insel lebte in dieser Zeit eine fünfköpfige irische Famile, die Witwe Mary Sullivan und ihre vier Söhne. Die Sullivans wohnten in einem schlichten kleinen Cottage in der Nähe des Piers im Nordosten der Insel. Sie hielten sich ein paar Kühe, pflanzten Kartoffeln und stachen Torf zum Kochen und Heizen.

Der Vater war früh gestorben, die vier Junggesellen hielten die Familie mit diesem und jenem über Wasser. Mal wurden die Brüder beim Forellenfischen im Glengarriff River erwischt, mal transportierten sie Waren oder Fahrgäste in der Bucht, ansonsten betrieben sie auf der insel eine bescheidene Landwirtschaft. Was geschah, als die neuen Eigentümer auftauchten und das Land nach ihren Vorstellungen umgestalteten, geht aus dem überaus detaillierten Landschaftsplan des Architekten Harold Peto hervor: Die Kuhweide im Happy Valley wich Pflanzbeeten, die Zäune wurden niedergerissen. Neben dem Häuschen der Sullivans wurde – mitten durch die Viehweide – eine Straße zum neuen Pier gebaut. Auf dem Torf-Feld entstanden Tennisplätze. Das Brennmaterial verschwand unter leuchtend grünem Rasen.

Tempel auf Garinish Island, Foto: Eliane Zimmermann
Tempel auf Garinish Island, Foto: Eliane Zimmermann

Während die Geschichtsversion der britischen und anglo-irischen Landbesitzer anhand von schriftlichen Dokumenten gut nachvollzogen werden kann, hat die arme irische Landbevölkerung ihre Geschichte zumeist nur mündlich überliefert. So wurden aus Geschichte Geschichten, aus manchen Fakten Märchen– und vieles ist längst nicht mehr nachprüfbar. Die alten Leute in Glengarriff jedenfalls erzählen noch heute von den Sullivans und ihrem Schicksal. In einer Gegend, wo jeder Dritte O`Sullivan hieß, rief man die Inselleute gemäß ihrem Wohnort “die Garnishes”. Die Überlieferung will wissen, dass das Ehepaar Bryce die irischen Bauern als Arbeiter und Gärtner übernehmen wollte. Die Garnishes allerdings verfielen in Kummer und Traurigkeit, sahen sich um ihre Existenz gebracht, waren von ihren Energiequellen und ihrem traditionellen Leben abgeschnitten. Zwei der vier Junggesellen sollen sich im Meer ertränkt haben.

Die Beweislage für diese irische Erzählung bleibt dürftig. Erwiesen ist, dass einer der Brüder, Florence Sullivan von einer Bootstour zum Grasschneiden auf eine Nachbarinsel nie zurückkehrte. Das allerdings war im Jahr 1935, 25 Jahre nach der Ankunft der Bryces. Nur die Ruder wurden gefunden, der alte Mann und das Boot blieben für immer verschwunden.
Die Erzählungen, die ganz gerne mit einem bitteren Unterton vorgetragen werden, machen trotzdem deutlich, dass der anglo-irische Besitz Garinish Island nicht nur Freunde hatte und dass die Wunden der Jahrhunderte währenden Konflikte zwischen den Einheimschen und den britischen Grundbesitzern bis heute nicht verheilt sind. Zwar galten die Bryces bei vielen Einheimischen als “Wohltäter”. Sie brachten Geld, Arbeit und Ideen. Doch sie schufen auch Neid, Zwietracht und Disharmonie bei denen, die nicht profitierten und nicht kooperierten.

Centenary Garden Garinish Island, Foto: Eliane Zimmermann
Centenary Garden Garinish Island, Foto: Eliane Zimmermann

Einigkeit herrscht in der Einschätzung, dass Garinish Island letztlich von vielen fleißigen irischen Händen aufgebaut wurde , die die Pläne der Bryces als Gebäude, Pflanzbeete, Tennisplätze und Bootsanleger verwirklichten. Alleine 60 Arbeiter beschäftigte der örtliche Bauunternehmer Robert Kelly auf dem Eiland, über 100 Iren haben in den Gründerjahren an der Verwirklichung des subtropischen Traumes gearbeitet. Sie kommen in der Würdigung des Werkes “Garnish Island” bis heute nicht vor. Noch nicht. Das Jubiläum könnte dies ändern, ist es doch für alle Beteiligten ein guter Anlass, um sich mit der eigenen Vergangenheit zu versöhnen.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Nach dem Tod John Annans im Jahr 1923 dominierte auf Garinish für einige Jahre der Wildwuchs. Der schottische Gärtner Murdo Mackenzie begrüßte – ohne es zu wissen – sein Lebenswerk, als er im Jahr 1928 auf die Insel kam, um den Posten des Chefgärtners anzutreten. Murdo hatte das Handwerk bei seinem Vater im schottischen Forres in Moray gelernt. Weil Arbeit dort rar war, folgte er dem Ruf nach Irland. Murdo, der Mann mit dem grünen Daumen und der Liebe zu den Pflanzen, machte Garinish zu dem, wofür es heute berühmt ist – nach den Vorstellungen der Eigentümer und doch in seiner ganz eigenen Art.

1939 starb Violet Bryce, entkräftet und nach langer Krankheit. Sie verbrachte ihre letzten Monate wohl isoliert und alleine im alten Bauern-Cottage der Sullivans – ein Hinweis darauf, dass sie an einer ansteckenden Krankheit gelitten hatte. Das Insel-Kommando ging danach endgültig an Sohn Roland über. Er widmete die Jahre bis zu seinem Lebensende 1953 der Perfektionierung des subtropischen Gartens. Monate vor seinem Tod machte Roland eine große Geste und schenkte Garinish Island dem irischen Volk. Das paradiesische Fleckchen Land an die Leute von Irland zurückzugeben, das wirkte wie eine Wiedergutmachung, gehorchte aber auch finanzieller Vernunft: Die beiden Beschäftigten hatten schon seit 1938 keine regelmäßigen Löhne mehr erhalten. Seit 1954 wird Garinish Island vom Office for Public Works (OPW), einer staatlichen Behörde treuhänderisch für das Volk verwaltet. Vom Saat angestelte Gärtner sehen nach dem Rechten und pflegen die Insel in der Manier von Beamten.

Noch der Census von 1979 wies Garinish Island übrigens als bewohnte Insel aus: Eine Frau und ein Mann lebten zusammen auf dem 15 Hektar großen Fleckchen Erde. Die Frau: Margaret O`Sullivan, die Hüterin der Insel, genannt “Maggie The Island”. Sie fuhr jeden Sonntag mit dem Boot hinüber zur katholischen Messe nach Glengarriff. Der Mann: Murdo Mackenzie, Protestant, ein Gärtner aus Passion, der auch im Rentenalter nie aufhörte, auf “seiner” Insel zu arbeiten. Die beiden Leute lebten gemeinsam und einsam, sie wurden auf Garinish zusammen alt. Ob als unverheiratetes Liebespaar, wie drüben im streng katholischen Dorf immer wieder getuschelt wurde, oder einfach als gut eingespieltes Überlebens-Duo: Maggie und Murdo hielten die Stellung bis zum Tod. Mackenzie starb im Januar 1983 im Alter von fast 87 Jahren, Margaret 13 Jahre später, 90-jährig, im August 1999.

Mit Maggie ging die letzte Bewohnerin der Insel. Es war das Ende des alten Garinish Island der Gründergeneration.

Doch halt! Fast hätten wir versäumt, die Hauptsache zu erwähnen: Garinish Island lebt von den Bäumen, den Sträuchern, den Stauden, den Rhododendren und Azaleen aus aller Welt.
Wer möchte, begleitet uns auf einen kleinen Insel-Rundgang in den Garten Garinish Island

Mehr Infos:

Garinish Island ist von April bis Oktober geöffnet. Experten sehen die Blütezeit von März bis Mai als beste Monate für einen Inselbesuch.

Noch mehr über Garinish Island die Garteninsel

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Alle Informationen zu den Jubiläumsveranstaltungen “Garinish Island 100” gibt es aktuell auf http://www.glengarriff.ie

Der Autor: Markus Bäuchle, Journalist und Wanderer, lebt seit dem Jahr 2000 in Irland.
Mit „Wanderlust“ gestaltet er erlebnisreiche Wanderferien im Südwesten Irlands für kleine Gruppen in deutscher Sprache. Mehr Informationen: www.irland-wandern.de

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