War ich schon mal ein Ausländer?
Dumme Frage, gell? Fast alle Menschen sind Ausländer, fast überall! Oder gibt es einen Unterschied zwischen Ausländern, etwa festzumachen an der Zeit ihres Verweilens?
Durchaus: Denn den Touristen schätzt man meist als Devisenbringer, er wird mit (vielleicht studierter) Höflichkeit behandelt, gehätschelt und gepflegt. Ihm öffnet sich fast jede Tür mit einem verständnisvollen Lächeln, mangelnde Sprachkenntnisse oder kleinere faux pas werden grosszügig verziehen.
Nur ist es ja mit Besuch wie mit Fisch … nach drei Tagen fängt er an zu stinken!
Und nach diesen “drei Tagen” oder, realistischerweise, den drei Wochen Sommerurlaub beginnt das Leben als “Ausländer”, als “Immigrant”, als “Gastarbeiter” … man ist kein “Tourist” mehr.
Was für Dich wichtig ist: Kannst Du mit dieser Situation umgehen, plötzlich auf Dauer der “Ausländer” zu sein?
Generell gesehen kann Dich niemand und nichts auf diese Situation vorbereiten.
Ideal wäre es natürlich, tatsächlich einige Zeit als Ausländer zu leben, also den gesamten Lebensmittelpunkt in die Fremde zu verlegen – aber wer kann das schon ausser Studenten mit Stipendium, Berufssoldaten oder Technikern im Auslandseinsatz? Und selbst diese Tätigkeiten erfüllen nicht unbedingt den Anspruch auf Erfahrung als “Gastarbeiter”, lebt man doch meistens in einer relativ behüteten Umgebung.
Aber … wenn Du nicht gerade im kleinsten Dorf wohnst, wirst Du wahrscheinlich Gastarbeiter zumindest vom Sehen kennen – Türken, Viertnamesen, Kroaten, Italiener, Portugiesen oder andere Nationalitäten. Schau Dir diese Minderheiten einmal mit offenen Augen und der Frage “kann ich so leben” an.
Wie? Was heisst “so leben”?
Ganz einfach … wo kaufen diese Menschen spezielle Lebensmittel ein, beim Aldi oder beim Spezialitätengeschäft in der nächsten Stadt? Wie integriert sind sie in das soziale System der Nachbarschaft? Welche Sprachprobleme haben sie im Alltag? Welche Probleme haben sie erst beim Verstehen der und dann beim Kontakt mit den Behörden? Wie begegnen ihnen Arbeitskollegen? Wie verbringen sie ihre Freizeit? Was für kulturelle Einrichtungen stehen ihnen zur Verfügung?
Und nun versetze Dich einfach in solch’ eine Situation … nur mit umgekehrten Vorzeichen. DU bist der Ausländer, DU musst mit diesen Gegebenheiten leben, DU spürst die Nachteile etwa einer fremden Sprache oder Kultur.
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass man schon in Hessen auf dem Lande bei Bestellung eines Bieres angemacht werden kann, “weil Do so geschwolle babbelst!” Nur weil man Norddeutscher ist und Hochdeutsch spricht …
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