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Ralf Sotscheks Irland

Irland in Begleitung von taz-Korrespondent Ralf Sotscheck

Termin: Sa., 7.8., bis Do., 12.8.2010 (6 Tage)

taz-Korrespondent Ralf Sotscheck führt die TeilnehmerInnen in „sein“ Irland: In Dublin stehen u.a. das Whiskey-Museum auf dem Programm und ein Schnellkurs in irischer Geschichte bei einer Führung durch das Kilmainham Gefängnis. Am 3. Tag geht es in den Westen der Insel: in „den Burren“, hier lebt Ralf Sotscheck im Ort Fanore. Auf den ersten Blick kommt einem die Gegend wie eine Mondlandschaft vor. Beim genauen Hinsehen entdeckt man jedoch eine landschaftliche Vielfalt, die einmalig in Europa ist. Wir sprechen mit einer lokalen Initiative über die Probleme der ländlichen Regionen. Zum Abschluss der Reise ist in Dublin noch Zeit zum Shoppen oder für Besichtigungen. Und für den Pub.


Cliffs Of Moher

Erste Station der Reise ist Dublin. Keine europäische Stadt, außer Berlin, hat sich in den vergangenen 20 Jahren so stark verändert wie die irische Hauptstadt. Wo früher in der Innenstadt Ziegen grasten, steht heute das Finanzzentrum, wo billige Alternativläden Selbstgemachtes anboten, befindet sich heute Dublins herausgeputzte Amüsiermeile, die Temple Bar. Auf Irisch heißt die Stadt Baile Atha Cliath – die Stadt an der Hürdenfurt. Aber auch der englische Name geht auf das Altirische zurück: Duibh-linn heißt „schwarzer Pfuhl.“ Wir werden mit einem Experten über die irische Sprache und ihre Zukunftschancen sprechen.

Noch ist die tiefe Wirtschaftskrise, in der Irland seit 2008 steckt, im Zentrum Dublins nicht sonderlich spürbar, die Pubs und Restaurants sind nicht nur am Wochenende voll. Ein Drittel der Iren, mehr als eine Million Menschen, leben im Großraum Dublin, und ein Drittel der Hauptstädter ist unter 25 Jahre alt. In Dublin liegt das durchschnittliche Einkommen zwölf Prozent über dem Landesdurchschnitt, auf dem Land liegt es acht bis zehn Prozent darunter. Aber täglich verlieren mehr als 300 Menschen ihren Job. Das ist eine Steigerung von 123 Prozent im Vergleich zu 2008. Wir werden mit einem Politiker der Grünen, die als kleiner Koalitionspartner an der Regierung sind, über die Perspektiven reden.


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Während der Boomjahre ist die Schere zwischen Armen und Reichen größer geworden. In Irland wurden in manchen Jahren 90.000 neue Häuser gebaut. Während der Motor für den irischen Boom mit Wachstumsraten von zehn Prozent im Jahr in den neunziger Jahren vor allem multinationale Konzerne waren, die mit niedriger Körperschaftssteuer angelockt wurden, verließ man sich später zunehmend auf die Bauindustrie. Sie steuerte 2007 ein Viertel des Bruttoinlandproduktes bei, sie beschäftigte mehr als zehn Prozent aller Erwerbstätigen. Seitdem ist sie fast komplett zusammengebrochen, und mit ihr die Hauspreise.
Viele fürchten eine Rückkehr zu den achtziger Jahren, als Irland das Armenhaus Europas war. Diesmal sei es sogar noch schlimmer, meint der Bezirksverordnete Shane McEntee: „Damals steckte der Staat bis zum Hals in Schulden. Heute hat sich auch die Bevölkerung stark verschuldet.“ Und diesmal gibt es nicht das Ventil der Auswanderung, das Irland Jahrhunderte lang vor dem Zusammenbruch gerettet hat – im Gegenteil. Während der Boomjahre sind viele Auswanderer zurück gekommen, viele Osteuropäer, Asiaten und Afrikaner sind eingewandert, angelockt vom Boom und den rasanten Veränderungen. Die Stadt ist bunter geworden. Fast zehn Prozent der irischenBevölkerung sind Immigranten, die größte Gruppe stellen die Polen. Mehr als 200.000 leben in Irland, zwei Drittel davon in Dublin.

Politisch spielt Dublin in Europa nur eine untergeordnete Rolle, es beherbergt lediglich eine einzige Einrichtung der Europäischen Union; als Finanzzentrum kann die Stadt weder mit London noch mit Frankfurt mithalten; und selbst das geistliche Zentrum Irlands ist nicht Dublin, sondern Armagh in Nordirland. Doch in seiner kulturellen Bedeutung muss sich Dublin vor keiner anderen Metropole in Europa verstecken. Die irische Hauptstadt ist reich an Museen und Galerien, an Kirchen und Sportstätten, an Sehenswürdigkeiten, Einkaufsgelegenheiten und Konzertsälen, an Kinos, Theatern und vor allem an Pubs. Mit seinem Monumentalroman Ulysses hat James Joyce seiner Heimatstadt ein literarisches Denkmal gesetzt, wie es keine Stadt für sich beanspruchen kann. Allerdings nannte er Dublin auch „die alte Sau, die ihre Ferkel frisst“.


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Der Fluß Liffey teilt Dublin in zwei ungleiche Hälften: den ärmeren Norden mit vielen schäbigen Wohnvierteln und den vornehmeren Süden mit einigen Glanzlichtern georgianischer Architektur. Die Liffey selbst ist erst Anfang des 21. Jahrhunderts aus ihrem Schattendasein herausgetreten, als die Uferpromenaden gebaut wurden, und am Nationalfeiertag wird ein großes Feuerwerk auf dem Fluss abgebrannt. Der in Dublin geborene Journalist Stan Gebler Davies äußerte noch 1990: „Dublin ist eine arrogante Stadt. Egozentrisch und selbstsüchtig. Sie hat das meiste dessen, was sie auszeichnet, zerstört und verschlingt gierig die Ressourcen des Landes. Sie baut und unterhält vorstädtische Arbeiterslums, die Leipzig oder Magdeburg beschämen würden. Die Kriminalität in einigen Wohnvierteln überfordert die Polizei. Die Liffey stinkt. Ich liebe diese Stadt.“
Nach zwei Tagen Dublin beginnt das Kontrastprogramm im Westen der Insel. Auf den ersten Blick kommt einem die Gegend wie eine Mondlandschaft vor: graue Steinhügel und helle Kalksteinplatten, so weit das Auge reicht. Der Name dieses Gebiets im Westen Irlands scheint es treffend auszudrücken: Burren – vom irischen Wort boireann, was „felsiger Ort“ bedeutet. Schon Oliver Cromwells Offiziere behaupteten vom Burren: „Zuwenig Bäume, um einen aufzuhängen, zuwenig Wasser, um einen zu ersäufen, zuwenig Erde, um einen zu verscharren.“

Beim genauen Hinsehen entdeckt man jedoch eine landschaftliche Vielfalt, die einmalig in Europa ist. In dem knapp tausend Quadratkilometer großen Gebiet wachsen Anemonen, Moose, Klee, Zwergrosen, Kreuzblumen, Veilchen, Enzian, Schlüsselblumen und Orchideen. Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, aus den Alpen und der Arktis gedeihen einträchtig nebeneinander. Ein besonderes Phänomen sind die Senken, die im Winter von unterirdischen Quellen geflutet werden und im Sommer austrocknen. Die ökologisch hochsensible Karstlandschaft hat sich vor 350 Millionen Jahren, in der Karbonzeit, gebildet. Geologisch gesehen ist das Gebiet also relativ jung. Vor 15.000 Jahren haben dann Gletscher den Burren mit tiefen Spalten durchfurcht. Als das Eis zurückwich, blieben die Felsbrocken, aber auch Erde und Samen aus arktischen Regionen zurück.

Wir sprechen mit Experten von Burren Beo, einer lokalen Initiative, über die Probleme der ländlichen Regionen sowie über die Chancen und Gefahren des Tourismus. Zum Abschluss der Reise ist in Dublin noch Zeit zum Shoppen oder für Besichtigungen. Und für den Pub.

Zum Weiterlesen:
In der Reiseausschreibung im Internet (www.taz.de/tazreisen) finden Sie für diese Reise „Literatur zum Einlesen“, u.a. Artikel von Ralf Sotscheck; seine Bücher auf: www.sotscheck.net – mit einigen Leseproben.

Programm der Reise
1. Tag (Freitag)
Individuelle Anreise nach Dublin; nachmittags Ankunft im Hotel im Zentrum von Dublin und Begrüßung durch Ralf Sotscheck. Gemeinsames Abendessen und Einführung in die Thematik der Reise. Danach im Hotel Gespräch mit einer interessanten Person aus dem Bekanntenkreis von Ralf Sotscheck, die erste Einblicke in irische Kultur, Politik und Lebensweise vermitteln kann.
2. Tag (Samstag)
Nach dem Frühstück Besuch des Kilmainham Jail. Das Gefängnis wurde 1796 erbaut. Viele Rebellenführer und nationalistische Politiker waren in Kilmainham inhaftiert, einige wurden hier hingerichtet. Nach der Unabhängigkeit Irlands wurde das Gefängnis im Jahr 1924 geschlossen und verfiel. Erst in den 1960er Jahren wurde der Gebäudekomplex restauriert. Eine Führung durch das Gefängnis ist ein Schnellkurs in irischer Geschichte.


Hochkreuz

Danach Besuch des Whiskey Museum und anschließender Stadtrundgang mit Abstechern zur Old Library im Trinity College und zum Book of Kells, einer illuminierten Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert, zur Ausstellung Celtic Gold im Nationalmuseum und zum Shelbourne Hotel, wo Adolf Hitlers Halbbruder Kellner war. Zwischendurch individueller Lunch.
Nach dem Abendessen im Hotel besuchen wir natürlich einen Pub. Für diejenigen, die beim Trinken etwas lernen wollen, ist der Literary Pub Crawl zu empfehlen: eine feucht-fröhliche Kneipenbegehung, bei der Schauspieler zu den Lieblingskneipen irischer Schriftsteller führen und in jedem Pub Texte rezitieren. Eine ganze Reihe irischer Schriftsteller war nämlich genauso trink- wie schreibfreudig (Die Tour kostet 12 Euro – bitte bei der Buchung der Reise angeben).
Wer möchte, kann auch ins Abbey Theatre, das irische Nationaltheater, gehen. Im April wird Macbeth gespielt; das Augustprogramm steht noch nicht fest. (Eintrittskarten kosten zwischen 25 und 40 Euro. Bitte bei der Buchung der Reise angeben.)
3. Tag (Sonntag)
Nach dem Frühstück um ca. 9 Uhr Abfahrt mit dem Reisebus Richtung Westen. Unterwegs Besuch der Klosteranlage Clonmacnoise. Das frühchristliche Kloster wurde Mitte des 6. Jahrhunderts von St. Ciarán am östlichen Ufer des Shannon gegründet. Die Anlage umfasst die Ruinen einer Kathedrale, sieben Kirchen (10. – 13. Jahrhundert), zwei Rundtürme, drei Hochkreuze und die größte Sammlung frühchristlicher Grabplatten in Westeuropa.
Gegen 15 Uhr Ankunft in Fanore im Burren, einer einzigartigen Karstlandschaft im Nordwesten der Grafschaft Clare. Im Burren finden sich viele mediterrane, alpine und sogar arktische Pflanzen. Nach dem Einchecken im Hotel je nach Wetterlage Besuch der acht Kilometer langen Steilklippen Cliffs of Moher oder der Aillwee Cave, eine Bärenhöhle, die im Jahre 1940 zufällig von dem Bauern Jacko McGann entdeckt wurde und seit 1976 für Besucher geöffnet ist. Die Höhle ist auf 1,3 Kilometer begehbar. Abendessen in Fanore, danach traditionelle Musik in Doolin.
4. Tag (Montag)
Nach dem Frühstück Besuch der Cliffs of Moher oder der Aillwee Cave (siehe 3. Tag) mit anschließender Rundfahrt durch den Burren. Lunch im Hause Sotscheck.


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Anschließend Gespräch mit Brian Meaney, Bezirksverordneter der Grünen aus Darragh bei Ennis. Auf der Rückfahrt Besuch des Poulnabrone Dolmen, eines Portalgrabs aus der Jungsteinzeit zwischen 3800 und 3200 v. Chr. sowie des Burren Centre, eines Informationszentrums in Kilfenora (Filmvorführung), und der benachbarten Kathedrale mit dem 800 Jahre alten Doorty Cross. Abendessen in Fanore und danach, wer möchte, ein Pubbesuch.
5. Tag (Dienstag).
Vormittags Wunschprogramm: ein Spaziergang durch den Burren vielleicht, ein Besuch der Burren Perfumery in Carran oder – für besonders Abgehärtete – ein Strandausflug mit Sprung in den Atlantik? Die durchschnittliche Wassertemperatur beträgt im April allerdings nur zehn Grad, im August 16 Grad. Man kann natürlich auch Surfen (Zubehör kann gemietet werden, bitte bei Reisebuchung angeben).
Vielleicht lässt sich ja auch Mara, der Delfin, sehen. Mittags Rückfahrt nach Dublin. Unterwegs in Kinvara Zwischenstopp bei Burrenbeo, einer Non-Profit-Organisation, die sich für „ökologisch und sozial verantwortungsbewussten Tourismus“ einsetzt.
Ankunft in Dublin gegen 16 Uhr. Bis zum Abendessen Zeit für Shopping oder einen Stadtspaziergang. Abendessen im Hotel. Danach Gespräch mit dem Dichter Gabriel Rosenstock über die irische Sprache – und dann der letzte Abend im Pub.
6. Tag (Mittwoch)
Nach dem Frühstück individuelle Abreise.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Die Reise kann individuell verlängert werden – entweder auf eigene Faust, oder organisiert von Gaeltacht-Irland-Reisen. Wer möchte, kann mit unserem Reisebus kostenlos zurück in den Südwesten fahren – bis nach Killarney.


Ralf Sotschek


Reiseleiter ist Ralf Sotscheck
Autor und Journalist, seit Ende der 1980er Jahre taz-Korrespondent für Irland und Großbritannien und noch viel mehr: www.sotscheck.net








Übernachtungsfolge:
2x Dublin, 2x Fanore, Co. Clare, 1x Dublin

Leistungen:
Bus vor Ort Transfers im modernen irischen Reisebus
Unterbringung 5 Übernachtungen im 3-Sterne-Hotel (gehobene Mittelklasse) oder B&B von vergleichbarem Standard in Zimmern mit DU/Bad/WC und Halbpension (irisches Frühstück und mehrgängiges Dinner)
Bildungsprogramm wie ausgewiesen
Reiseleitung Taz-Irland-Korrespondent Ralf Sotscheck
Eintrittsgelder für alle im Programm vorgesehenen Besichtigungen (außer, wo ggf. anders angegeben)
Sicherungsschein Insolvenzversicherung

Preis:
860,- € pro Person im Doppelzimmer
170,- € Einzelzimmerzuschlag (Begrenztes Einzelzimmerkontingent)
Eigene Anreise (Flug kann individuell über EBZ gebucht werden).
Nicht im Preis enthalten ist neben den optionalen Programmpunkten (Abbey Theatre, Pub Crawl) auch eine Reiserücktrittskostenversicherung (zu deren Abschluss wir gerne Informationsmaterial zukommen lassen können).




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