Irland Newsletter | Sitemap | Impressum

irish-net Irland Kultur

Tanzen wie die Iren - Tips and Heels

Seit dem legendären Erfolg von „Riverdance“ ist Irish Dance ein florierender Zweig des Tanzgewerbes - nicht nur in Deutschland. Die unterschiedlichen Tanzformen basieren auf irischen Volkstänzen, die wahrscheinlich bis auf die rituellen Tänze der keltischen Druiden zurückverfolgt werden können. Irish Dance besticht durch die Schnelligkeit, mit der die Schrittfolgen absolviert werden und durch ihre Präzision.

Tanzen wie die Iren - Tips and Heels
Tanzen wie die Iren - Tips and Heels

Rund acht Minuten „Riverdance”, eine Tanzshow mit irischem Stepptanz und keltischer Musik, sorgten 1994 im Rahmen des Grand Prix d’Eurovison de la Chanson in Dublin für eine Sensation.

Die Show mit atemberaubend schnellen und präzisen Tanzeinlagen eroberte Europa – und das Herz des Wuppertalers Frank Ringer. Der ausgebildete Tanzlehrer für Standardtänze – schon als Kind ein Bewunderer von Fred Astaire – begeisterte sich fortan auch für Stepptanz und ließ sich in Irland die Grundzüge des irischen Steppens beibringen.

Zuvor hatte er bereits bei internationalen Größen seines Fachs wie Tom Fletscher, Victor Cuno, Buster Brown und Chuck Green die Feinheiten des amerikanischen Stepptanzes erlernt. „__Der irische Stepptanz hat eine besondere Eigenart: Die Arme bleiben beim Tanzen nahezu unbeweglich__ “, erzählt der kleine, schlanke Tänzer – und gibt eine Kostprobe seines Könnens auf der Bühne einer Wuppertaler Ballettschule. Rhythmisch stampfen seine Absätze auf den Holzboden: Klack, klack, klack.

Seit 1996 ist Frank Ringer freiberuflich als zertifizierter irischer Tanzlehrer und Choreograf unterwegs. Er veranstaltet Tanz-Workshops, unterrichtet Schüler, mit denen er an Wettbewerben teilnimmt, und er arbeitete im Tanzhaus NRW in Düsseldorf. Dennoch versucht er regelmäßig auch selbst auf der Bühne zu stehen, hat unter anderem mit Gitarrist Marco Schmidt seine eigene Show „tap’n‘strings”. „Applaus”, sagt er, „ist halt für jeden Künstler toll“.

Ein Höhepunkt war für ihn das Jahr 2004: Für den Otto-Waalkes-Film „Die sieben Zwerge, Männer allein im Wald“ wurden seine Tanzeinlagen gefilmt. „Dabei waren aber leider nur meine Füße zu sehen. Natürlich bin ich als Künstler durchaus egozentrisch genug, um gerne ein Star auf der Bühne zu sein“, sagt er und grinst. „Aber meine Frau und meine zwei Kinder sorgen schon dafür, dass Papa seine Bodenhaftung nicht verliert.“

Einmal hat er sogar an einem Casting für das Broadway-Tanzspektakel „42nd Street” teilgenommen. Ausgewählt hat die Jury den Wuppertaler allerdings nicht: „Ich bin nur 1,64 Meter groß und da habe ich wohl nicht ins Format gepasst”, sagt Frank Ringer und zuckt mit den Schultern. Seinem Selbstbewusstsein hat die Absage nicht geschadet: „Ich bin ein grundsätzlich optimistischer Mensch. Irgendwas geht immer!“ Mittlerweile ist der Tanzfreak aus dem Wuppertaler Stadtteil Vohwinkel 43 Jahre alt.

Irish Stepp Dance ist allerdings nur eine Stilrichtung der traditionellen Irish Dance – Volkstänze, die allein, in Paaren oder in der Gruppe getanzt werden. Die Geschichte des Irish Dance liegt im Dunkel der Zeiten. Experten gehen davon aus, dass der Irish Dance zurückgeht auf religiöse Rituale der Druiden.

Die Druiden gehören zum Kulturkreis der Kelten, deren Siedlungsraum sich im 4. Jahrhundert vor Christus vom Gebiet zwischen Mitteldeutschland und Ostfrankreich, Südengland und Norddeutschland über den späteren Ostblock, Norditalien, Nordspanien bis an die Atlantikküste erstreckte. Der Druide war ein Mann, den die Kelten als Weisen, als Geschichtenerzähler, als Propheten und Seher verehrten. Oft fungierten sie als Richter und königliche Ratgeber. In den Legenden von König Arthur und seinen Rittern der Tafelrunde steht er nur scheinbar im Schatten: Merlin, der weise Druide.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wanderten fahrende Tanzlehrer von Ort zu Ort und brachten der Bevölkerung das Tanzen bei. Jeder der sogenannten Dance Master betreute sein eigenes Einzugsgebiet. Begleitet wurden sie von Flötisten und Fiedlern. Auf Volksfesten trafen sich die „Dance Masters“ und forderten die Konkurrenten zu einem Wettstreit auf, die Feis oder Plural Feiseanna genannt wurden. Mit der Gründung der Gaelic League 1893 und der Irish Dancing Commission (1929) wurden erstmals Standards eingeführt, die vor allem den Unterricht und das Bewerten oder etwa die Kostüme bei Wettbewerben betrafen. Damit wurde der gälisch/irischen Tanz-Tradition neues Leben eingehaucht. Es entstanden die Céilis, informelle Abende für Gruppentänze. Die heutigen Wettkämpfe basieren auf dem 1902 erschienenen „Handbook of Irish Dances“ von O’Keefe und O’Brien. Die Regeln legte 1930 die Irische Tanzkommission fest.

Erstmalig wurden damals die vielfachen, regional unterschiedlichen Tanzformen standardisiert. In der Zeit um 1930 begannen auch immer mehr Frauen an den traditionellen Wettbewerben teilzunehmen und schon bald fanden sich mehr Frauen als Männer auf dem Tanzboden.

Wurde früher aufgrund der großen Armut vieler Iren barfuss getanzt, unterscheidet man heute sogenannte Soft Shoes und Heavy Shoes. Die Soft Shoes, auch Ghillies oder Brigadoons genannt, haben Ähnlichkeit mit Ballettschuhen und werden von Frauen getragen.

Ältere Männer und Jungen tragen Reel Shoes, die den Heavy Shows ähnlich sind. Im Gegensatz zu den Damenschuhen haben diese Schuhe Absätze. Die Heavy Shoes werden beim „Solo Set Dance“ eingesetzt, Tänze zu festgelegten Melodien.

Unter den Zehenspitzen befinden sich die sogenannten „Tips“ und unter den Absätzen „Heels“. Früher waren die beiden Untersätze aus gehärtetem Leder oder Holz, teilweise noch mit Nägeln verstärkt. Heute werden stattdessen Fiberglaselemente eingesetzt. Mit dieser Verstärkung erzeugen die Männer den charakteristischen Klang des Irish Dances.

Zu den traditionellen Formen des Irish Dance gehören der Set Dance, basierend auf der
französischen Quadrille. Irische Tänzer machten daraus einen sehr schnellen Tanz. Set Dance Treffen werden auch als Céilí (sprich: Keeli) bezeichnet. Auf diesen Treffen aufgeführte Tänze werden in einem großen Kreis mit einer beliebigen Anzahl von Tanzpaaren gewirbelt.

Zu diesen Round Dances zählen etwa „The Big Dance”, „The Bonfire Dance”, „The Stack of Barley”, „Two-Hand Jig” und der „Two-Hand Reel”. Dazu kommt der sogenannte Sean nós dance, ein Stepptanz aus Connemara und Munster, Show-Tänze wie Lord of the Dance und Riverdance sowie der Cape-Breton-Stepp-Dance.

Zu den wichtigsten Tanzstilen heutiger Prägung gehört der Reel (irisch: Cor). Der Reel ist gleichzeitig der Name eines irischen Tanzes, als auch die Bezeichung der Melodie, deren Grundlage ein schneller 4/4-Takt ist.

Die Betonung liegt beim Reel auf dem ersten und dritten Schlag eines Taktes. Eine zweite wichtige Stilrichtung ist der Jig (irisch: Port). Auch der Jig bezeichnet sowohl eine traditionelle Tanzform, als auch die zugrundeliegende Melodie im Dreiertakt- Rhythmus.

Gerne getanzt wird auch die Hornpipe, ein altes englisches, irisches oder schottisches, schnelles Tanzstück in einem traditionellen 3/2-Takt. Ein Tanz, der seinen Namen nach einem alten schottisch-irischen Blasinstrument erhielt und der traditionell mit Holzschuhen getanzt wurde.

Unterschieden wird zudem in „lautlose“ „Light Dances“ mit Softshoes und sogenannten „Heavy Dances“. Letztere werden – natürlich mit Heavyshoes – absolviert und verursachen entsprechende Geräusche durch die Verstärkung von Absätzen und Fußspitzen.

Die Faszination des Irish Dance lebt von seiner tänzerischen Perfektion, den mystisch anmutenden Klängen der irischen Volksmusik und von den Kostümierungen. Trotz moderner Designs orientieren sich die Kostüme an traditionellen Trachten, besonders an denen der irischen Landfrauen vor 200 Jahren. Oft sind diese Kostüme mit handgestickten keltischen Ornamenten verziert.

Frauen tragen traditionell lange Röcke, Blusen, Umhänge und Hauben. Traditionell tragen Männer den Kilt und eine Jacke mit Umhang. Seit Riverdance sind schwarze Hosen und blusenähnliche Hemden in Mode.

Auffallend bei allen Formen des Irish Dance ist die Körperhaltung: Der Körper bleibt aufrecht und die Arme liegen eng am Körper. Vor Beginn des 20. Jahrhunderts war es allerdings durchaus üblich, die Arme zu bewegen oder aber auf den Hüften aufzustützen. Die Legende sagt, dass die eher passive Armhaltung auf die Intervention der Kirche zurückgeht. Der Klerus soll die freien Armbewegungen als anstößig bis provokativ empfunden haben.

Wer heute „Irish Dance“ tanzen will, der wird mit einer Vielzahl von Reglementierungen
konfrontiert. Einflussreiche Verbände wie die 1930 gegründeten „Irish Dance Commission“ haben festgelegt, dass der Irish Dancer vier Stufen oder 12 Ränge (je nach Organisation) durchlaufen muss. Die Wettbewerbe teilen sich in Alterklassen und vier Kategorien: Beginners, Primary, Intermediate und Open. Je nach Klasse dürfen nur die entsprechenden Schritte getanzt werden.

Angefangen mit Schulwettbewerben kann sich der Tänzer, die Tänzerin bis zur Teilnahme an Weltmeisterschaften weiterentwickeln. Beurteilt werden in den Wettbewerben das Timing, die Haltung, der Schwierigkeitsgrad der Schritte sowie die Präsentation des Tanzes. Wer sich offiziell Irish Dance Lehrer oder Irish Dance Lehrerin nennen will muss Fachwissen in über 30 offiziellen Gruppentänzen nachweisen.

Dann und wann spürt Frank Ringer, dass sein Beruf als professioneller Tänzer Abnutzungserscheinungen mit sich bringt: „Wir Stepptänzer springen und hüpfen viel. Das geht natürlich auf die Füße, auf die Gelenke und auf die Wirbelsäule.

Interessanterweise habe ich festgestellt, dass ich abends kleiner bin als morgens!“ Sich auf einen ruhigen Tanzlehrer-Job mit Festgehalt zurückzuziehen, kommt für Frank Ringer dennoch nicht infrage. „Da würde mir der künstlerische Freiraum fehlen!“ Wenn der Körper nicht mehr mitmacht, wird Frank Ringer eben etwas Neues lernen: „Vielleicht werde ich dann hauptberuflich Maler!“ Seine Begeisterung fürs Tanzen will er an seine Kinder weitergehen: „Meine achtjährige Tochter habe ich schon infiziert. Sie bekommt Ballettunterricht und – natürlich – Unterricht im irischen Stepptanz.“

Ein Bericht von Annette Lübbers




Irish Dance Shop

Der Complete Guide to Irish Dance von Frank Whelan, Irish Dance DVDs und vieles mehr in unserem Irish Dance Shop. Klicken Sie mal rein …

Mehr Infos ...


Irlands Sehenswürdigkeiten

Alle Highlights in Irland aufzuzählen ist nicht leicht, es sind einfach zuviele. Unsere persönliche Top 10 der irischen Sehenswürdigkeiten finden Sie hier.

Der Irish Shop

Wir haben uns nach besonderen, typischen, schönen Dingen aus Irland umgesehen, die das Herz jedes Irlandfreundes erfreuen und ganz wunderbar als irisches Geschenk zu besonderen Anlässen geeignet sind.

Irland Reisen

Sie planen einen Irland Urlaub? Prima, dann besuchen Sie das Irland Reisebüro des Irish-Net, hier finden Sie viele attraktive Urlaubsideen.

Keltische Armreifen

Bildschöner keltischer Armreifen. Aus 925er Sterling Silber, verziert mit legendären keltischen Knoten. Der besondere Geschenktipp.