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"In every Generation ..." - eine kurze Vorgeschichte

Der Osteraufstand war keine spontane Idee einiger enthusiastischer Patrioten, die wie Emmet eines Morgens loszogen, der Freiheit eine Bresche zu schlagen. Nein - es war eine generalstabsmässig geplante Operation in der Tradition Wolfe Tones, unterstützt aus dem Ausland.

Und ein aus der britischen Irlandpolitik entstandener Versuch, ein zeitweises Entscheidungsvakuum zwangsweise zu füllen. Daher klären wir zuerst die Frage nach der Vorgeschichte der Rebellion.

Nach fast neunhundert Jahren Ärger miteinander hatten sich Briten und Iren zu Beginn des 20. Jahrhunderts endlich durchgerungen, Nägel mit Köpfen zu machen. Die Iren begehrten nichts mehr, als ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Die Briten begehrten nichts mehr als Ruhe in Irland.

“Home Rule” war das Zauberwort – eine irische Selbstverwaltung unter dem Schutz der Nachbarinsel, ein Kompromiss. Aber genug Kompromiss, um die Mehrheit auf beiden Seiten der irischen See zu befriedigen. Mit Ausnahmen: In Irland gab es streng nationalistische Kreise, denen Home Rule nicht weit genug ging. Und vor allem in Ulster gab es Hardliner, die Home Rule ablehnten, weil sie ihren Status als herrschende Klasse in einer gesamtirischen Demokratie bedroht sahen.

Realismus und der Willen zur Verständigung sowie Koexistenz waren nicht unbedingt die Stärken beider Extremistenfraktionen – und so bereitete man sich auf den Tag X gleich auch militärisch vor. Vor allem in Irlands Norden bildete sich die Ulster Volunteer Force (UVF), im Rest des Landes tendierte man eher zu den Irish Volunteers. Beides Privatmilizen der sich gegenüberstehenden Fraktionen, beide bereit sowohl aufeinander als auch auf britische Soldaten zu schiessen, sollte “die Sache” es erfordern.

Weitere Milizen blühten in Nischen – die Cavan Volunteer Force sympathisierte mit der UVF, wollte aber aus praktischen Gründen nur Cavan gegen mögliche Anarchie verteidigen; die Irish Citizen Army wurde von Gewerkschaftlern gegründet, um Arbeiter mit der Waffe in der Hand vor Polzeiübergriffen zu schützen. In jeder Ecke der Inseln sprangen Gruppierungen aus dem Boden, die sich als berechtigte Selbstverteidigungsorganisationen verstanden. Und die sich nicht nur mit bunten Uniformen und Fahnen, flotten Märschen und markigen Sprüchen zufrieden gaben. Denn nachdem man erstmal mit Hurleys, Stuhlbeinen und der gelegentlichen Schrotflinte exerziert hatte, schaffte man auch richtige Waffen an – in Larne und Howth “schmuggelten” Unionisten wie Nationalisten Gewehre an Land. Dass diese Bewaffnung der Massen und Bildung von letztlich regierungsfeindlichen Milizen geduldet wurde, ist eines der grössten Rätsel der irischen Geschichte …

Vielleicht hatte die Londoner Regierung aber auch andere Sorgen, denn die innereuropäischen Spannungen nahmen zu und Säbel rasselten. Was sich dann nach dem Attentat von Sarajewo in einem grotesken Bündniskarussel bewegte und in einem mörderischen Krieg entlud.

Dieser Krieg kam nicht unbedingt vollkommen überraschend, aber aus irischer Sicht zu einem vollkommen inopportunen Moment. London war gerade so weit gekommen, Irland noch 1914 Home Rule zu gewähren.

Während sich nationalistische Politiker wie Redmond kurz vor dem Höhepunkt ihrer politischen Karriere wähnten, sahen sich Unionisten wie Carson kurz vor der Abspaltung vom Mutterland und einem unvermeidlichen Bürgerkrieg. Doch dann marschierte Wilhelm II auf Paris zu und das Empire schien bedroht. Und angesichts dieser Bedrohung wurde (in gegenseitigem Einvernehmen) beschlossen, Home Rule bis zum Ende des Krieges (das man vor Weihnachten erwartete) auszusetzen.

Zahlreiche Paramilitärs von UVF und Irish Volunteers eilten zudem zu den britischen Fahnen, eben um das Selbstbestimmungsrecht von Kleinstaaten wie Serbien oder Belgien zu verteidigen – “that small nations might be free!” John Redmond, Chef der Irish Nationalist Party und auch der Irish Volunteers, schlug sogar vor, alle britischen Truppen aus Irland abzuziehen – gemeinsam könnten seine Volunteers und die UVF Sicherheit und Stabilität auf der Insel garantieren. Lediglich die ICA stand in geschlossenen Reihen vor ihrem markanten Plakat “We serve neither King nor Kaiser”, am Gewerkschaftshaus Liberty Hall prominent zu lesen.

Und Redmonds Irish Volunteers spalteten sich in die “bis auf weiteres” das Empire unterstützenden National Volunteers (unter Redmond) und die linientreuen und England-feindlichen Irish Volunteers …

Übrigens: Der Erste Weltkrieg ging an Irland vorbei, ohne dass eine Wehrpflicht eingeführt wurde.

1914 war es also vorerst aus mit dem Traum von Home Rule. Dieser Status war jedoch der im Geheimen die Führung der nationalistischen Bewegung übernehmenden Irish Republican Brotherhood (IRB) ohnehin nicht genug. Sie definierten Freiheit anders, umfassender.

Gegründet wurde die IRB bereits 1858 – vom Charakter her als verschwörischere Geheimorganisation zur Erlangung der irischen Freiheit.

Ungefähr zweitausend Mitglieder bekannten sich zu den Zielen und (nicht nur friedlichen) Methoden der IRB … in Irland selbst, aber auch in den USA, Australien oder England. Die IRB wurde gelegentlich mit den Bolschewisten des vorrevolutionären Russland verglichen: Sie hatten einen hohen Anteil von “Intellektuellen” in ihren Reihen und eine nur auf ein einziges Ziel ausgerichtete Ideologie. Im Unterschied zu den Bolschewisten war die IRB jedoch vor allem nationalistisch ausgerichtet.

Und bereits im August 1914 beschloss man, dass getreu dem Motto “Englands Problem ist Irlands Chance” eine Revolution in Irland stattfinden müsse, bevor der Krieg gegen Deutschland endet. Also machten sich die Dichter und Denker an die Planung dieser Revolution, mit einer vor allem von Irish-Americans reich gefüllten Kriegskasse und in durch gezielte Infiltration erreichten Führungspositionen in der republikanischen und nationalistischen Bewegung. Und mit dem Wissen, dass die Mehrzahl der Iren eine Unabhängigkeit von Grossbritannien als positiv ansehen würden. Zumindest theoretisch – praktisch wäre mit Home Rule der Freiheitsdrang der Massen befriedigt gewesen, zumal Irland durch den Krieg wirtschaftlich aufblühte. Agrarprodukte und Pferde erzielten Höchstpreise im Export.

Ausgeklammert wurde zumindest zeitweise auch die Tatsache, dass die Mehrzahl der Irish Volunteers weder militärisch ausgebildet noch bewaffnet waren. Und auf eben diese Freiwilligen baute man, geführt von “Stabschef” Eoin MacNeill und “Kommandant” Patrick Pearse – im “Zivilleben” Historiker respektive Schulleiter. Ihnen zur (linken) Seite standen der Führer der ICA, der Gewerkschaftsfunktionär James Connolly, und eine der Leiterinnen der patriotischen Frauen- und Pfadfinderbewegung, die sozialistische Gräfin Constance Markiewicz (deren polnischer Ehemann im Dienst des Zaren gegen die Deutschen kämpfte). Und der hochdekorierte Kolonialbeamte Sir Roger Casement, der gerade mit sehr mässigem Erfolg in Deutschland eine “Irische Brigade” rekrutierte, Kontakte mit dem deutschen Oberkommando pflegte und Waffen für die IRB organisierte. Politisch stand man eher der noch jungen Partei Sinn Fein nahe, die sich gegen Home Rule ausgesprochen hatte und allein die völlige Unabhängigkeit Irlands anstrebte.

Auf Seiten der Regierung standen der IRB diverse wichtige Personen gegenüber – allen voran der Lord-Lieutenant Lord Wimborne, Vertreter des Königs und somit nominell oberste Autorität im Lande. Wimborne war durchaus pro-irisch im britischen Sinne, seine Befürwortung der Land Act von 1903 war ein Beispiel dafür, wie er durch sinnvolle Änderungen versuchte, Irland fester in das Empire einzubinden. Letztlich aber wollte er den politischen status quo bewahren – Home Rule, aber keine Unabhängigkeit. Seine Verwaltungsbeamten galten jedoch als nicht unbedingt die erste Wahl. Chief Secretary, also de facto Verwaltungschef, war Augustine Birrell, charmant und als Schriftsteller erfolgreich.

Seine literarische Ader liess er nur selten durch schnöde Beamtentätigkeit einengen, seine Aufenthalte in den literarischen Kreisen Londons waren gelegentlich länger als die in den Dubliner Regierungsgebäuden. Ihm zur Seite stand der für innenpolitische Fragen zuständige Assistant Secretary Sir Matthew Nathan. Dieser hatte sich durch reiche Erfahrung in der Verwaltung von Kolonien für den Posten in Dublin qualifiziert und war ein “Sesselpuper”, der sich am wohlsten bei Routinearbeit am Schreibtisch fühlte. Der Oberkommandierende der Britischen Armee, Major-General Field, rundete das Quartett ab. Selbst in Armeekreisen wurde ihm zugestanden, zwar generell ein fähiger Etappenhase zu sein, aber von Kenntnis über die “irische Situation” vollkommen unbeleckt.

Als Machtmittel standen diesen Männern die “crown forces” zur Verfügung: Die weitgehend unbewaffnete Dublin Metropolitan Police (DMP), die bewaffnete und nahezu militärisch strukturierte Royal Irish Constabulary (RIC) und natürlich die in Irland (oft zur Ausbildung) stationierten Einheiten der britischen Armee und Marine. Die “Special Branch”, eine Art Inlandsgeheimdienst und politische Polizei, wäre auch noch zu erwähnen – denn von dieser Seite waren die IRB und andere Organisationen infiltriert worden. Was praktisch bedeutete, dass die Dubliner Verwaltung vorgewarnt war …

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