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"In the Name of God and of the dead Generations" - eine neue Generation von Märtyrern

Das Nachspiel des Osteraufstandes war an sich keine Überraschung - die gefangengenommenen Rebellen wurden interniert, rund zweihundert wurden vor Kriegsgerichte gestellt.

Ebenfalls vor dem Kriegsgericht mussten sich einige britische Soldaten verantworten. Ob die Kriegsgerichte die korrekte Autorität der Jurisdiktion darstellten ist eine müssige Diskussion. Ähnliche Gerichte urteilten auf derselben rechtlichen Basis über britische Soldaten, Soldaten aus den Dominions und Kolonien sowie über deutsche und türkische Kriegsgefangene. Ihr Einsatz war also Usus. Ebenfalls wenig überrschend ist die Tatsache, dass die Todesstrafe über neunzig Mal verhängt wurde. Die britisiche Armee im Ersten Weltkrieg verurteilte mehr eigene Soldaten zum Tode als die oft als barbarsich geschmähten deutschen Streitkräfte in ihren Reihen.

Was jedoch als eine der grössten Idiotien der Geschichte des britischen Empire gewertet wird – Maxwell war geradezu davon besessen, die Todesstrafe auch auszuführen und liess schnell hinrichten. Waren die Rebellen bei ihrer Gefangennahme noch von ihren Landsleuten beschimpft und (letztlich korrekt) für die Zerstörung Dublins verantwortlich gemacht worden, so liess Maxwells Politik sie zu einer Gruppe von Märtyrern werden. Und im Gegenzug wurden die Briten dämonisiert.

Vierzehn Männer starben in Dublin vor den Gewehren der Maxwell’schen Soldaten: Patrick Pearse, Thomas MacDonagh, Thomas Clarke, Edward Daly, William Pearse, Michael O’Hanrahan, Eamonn Ceannt, Joseph Plunkett, John MacBride, Sean Heuston, Con Colbert, Michael Maillin, Sean MacDermott und James Connolly. Thomas Kent wurde in Cork erschossen, Roger Casement in London gehängt.
Niemand stirbt so schön wie Setanta … die Cuchullain-Statue im GPO erinnert heute an den zum Scheitern verurteilten Osteraufstand 1916.

Zwei Prominente sprangen dem Tod von der Schippe – die Gräfin Markiewicz wurde zum Tode verurteilt, das Urteil dann aber in lebenslange Gefängnisstrafe umgewandelt, weil man keine Frau erschiessen wollte. Eamonn de Valera dagegen wurde Dank eines monumentalen Chaos vor der Erschiessung gerettet. Niemand war sich sicher, welche Nationalität de Valera hatte – er war kein Brite, wollte zwar gerne “Irischer Staatsbürger” sein (was in Ermangelung eines irischen Staates unmöglich war) und musste später bei seiner Mutter nachfragen, ob sein Vater nun Bürger der USA und er daher US-Amerikaner war oder eben Spanier. Die US-Botschaft konnte nur angeben, dass man “es so verstehe”, dass de Valera Anrecht auf einen US-Pass habe. Diese Verwirrung mag Maxwell, der noch nie von de Valera gehört hatte, auf der vorsichtigen Seite gehalten haben. Und die Einschätzung des Anklägers William Wylie mag auch geholfen haben: “Ich glaube nicht [, dass er in Zukunft noch Ärger machen wird]. Ich glaube, er ist nicht wichtig genug.” Ein Bericht von de Valeras Arzt in Dartmoor lässt den “unwichtigen” Mann in einem interessanten Licht erscheinen. De Valera sehe sich ständig als Vaterfigur der Iren. Zudem sei eine Kooperation so gut wie unmöglich: “Der Gefangene glaubt offensichtlich, dass jeder Mann, jede Frau und jedes Kind englischer Abstammung mit einem angeborenen Hass auf Irland versehen ist und ständig versucht, dem Land zu schaden!”

Waren die Urteile gegen die Rebellen nun ungerecht? Diese Gretchenfrage kann man nicht geradewegs beantworten … der einzige reguläre Prozess wurde schliesslich Roger Casement gemacht und dieser erfüllte alle formaljuristischen Aspekte. Dass die Rebellen eine Form von Hochverrat begingen ist eigentlich keine Frage, sie kämpften mit Waffengewalt gegen die bestehende Regierung und verstiessen gegen gültiges Recht. Dies muss auch etwa Pearse bekannt gewesen sein – der Anwalt meinte vor dem Aufstand lakonisch zu seiner Mutter: “Man wird uns alle erschiessen!” Pearse selber gab in seiner kurzen Verhandlung vor dem Militärgericht zu Protokoll, er habe die Hilfe Deutschlands gesucht – auch diese Kooperation mit dem Feind (in Casements Fall noch wesentlich eklatanter) erfüllt den Tatbestand des Hochverrats. Nun kann man argumentieren, dass ein Hochverrat unter bestimmten Umständen bei objektiver Betrachtung trotz aller Gesetze keiner ist. Das mag auf die Verschwörer des 20. Juli durchaus zutreffen … für Ostern 1916 jedoch ist diese goldene Brücke eher Talmi (Home Rule war bereits beschlossene Sache, es gab keine akute Bedrohung des Landes …).

Eine andere Frage ist die Härte der Urteile – zwar war für Hochverrat die Todesstrafe möglich, aber hätte sie auch vollstreckt werden müssen? Zumindest in den Augen der Weltöffentlichkeit gestaltete sich die Hinrichtungswelle zu einem PR-Desaster. Und machte die Rebellion sozusagen posthum zum Erfolg, indem sie die Hingerichteten (die man Tage vorher noch ausgelacht und/oder beschimpft hatte) zu Helden kanonisierte. Wie schon George Bernhard Shaw messerscharf beobachtete: “Es ist unmöglich, einen Mann in einer solchen Situation zu töten, ohne aus ihm einen Märtyrer und Helden zu machen, auch wenn er am Tag vor dem Aufstand nicht mehr als ein unwichtiger Poet war!” Grob gesagt verdankte es Sinn Fein niemand anders als Maxwell, dass Irland in dieser Partei die einzige Zukunftsperspektive sah!

Im Zusammenhang mit den Hinrichtungen wird auch immer wieder heraufbeschworen, dass die Briten “arme Menschen” erschossen – den verletzten Connolly im legendären Stuhl, den todkranken Plunkett und den verkrüppelten MacDermott. In den letzten beiden Fällen war es aber objektiv so, dass sich die Männer trotz ihrer Krankheiten aktiv an der Rebellion beteiligten (bei Plunkett vielleicht gerade wegen, als eine Art “blaze of glory”) – warum also sie anders behandeln? Und Connolly … hätte man ihn gesundpflegen und dann erschiessen sollen? Die Argumentation der “armen Opfer” ist einfach nicht recht stichhaltig – allenfalls bei William Pearse könnte man davon sprechen, denn er schien tatsächlich nur hingerichtet worden zu sein, weil er Patrick Pearses Bruder war.

Historisch gesehen wäre es weitaus sinnvoller gewesen, die Todesurteile aller Gefangenen in Irland in lebenslange Haftstrafen umzuwandeln oder zumindest auszusetzen. Es wäre sicherlich auch “gerechter” gewesen, im Sinne einer verständnisvollen Rechtsprechung. Dies aber konnte man von einem Militärgericht nicht erwarten. Hier ging es mehr um Rache und Abschreckung.

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