Cúl na Mara
Es hätten vier Musiker sein sollen, mit dem Bandnamen „Daione“ und irischer Musik. Dann waren es, gute zwei Wochen vor dem Auftritt im Speidlerhaus, plötzlich nur noch zwei – der Leadsänger chronisch erkrankt, der Drummer kommt aus Irland nicht weg.
Immerhin, Instrumente hatten die restlichen zwei genug: Martin Waibel seine Gitarren, Mandolinen und die ganz exquisite Bouzouki-Gitarre; Eckard Lehmann das komplette Set irischer Flöten und die Ulian Pipes, eine raffinierte Variante des weit simpleren schottischen Dudelsacks.
Dann ging das musikalische Multitalent Waibel auf die Suche nach Ersatz. Mit Ana Bienek war die neue Band schon fast perfekt. Denn sie singt seit Jahren zur Gitarre, was sie bei langen Aufenthalten auf der Grünen Insel für ihre Stimme passgenau gelernt hatte: irische Songs.
Als wäre man in einem irischen Musik Pup zwischen Dublin und Cork, holten die drei im ersten Teil des Konzerts „the tears on the cheeks“, die Tränen auf den Wangen, die zerzausten Wolken über den rauen Cliffs unter die Balken im Speidlerhaus.
Als tanzten zehn Derwische aus seinen Fingern spielt Eckard Lehmann die irische „tin whistle“, atem-beraubend, was er aus diesem Instrument, das aus der bitterarmen Arbeiterklasse stammt, an Variationen aus kleinsten musikalischen Formen herausholt.
Martin Waibel tauscht die Gitarren und Rhythmen wie die Guinness Pints über den Tresen geschoben werden. Und Ana Bienek ist, zwischen den beiden, noch besser als Solo. Sie ist alle irischen Songs zusammen – zart-herb und lyrisch, direkt und ungekünstelt, wie es die Art ist in irischen Pubs, melancholisch und warm, kokett für einen Moment und leise im nächsten. Wundervoll reduziert alle Nuancen, die sie einsetzt, alle Stimmungen, nie vergessend, woher diese Musik kommt. Aus einer Kultur der armen Leute, denen für große Gefühle keine Zeit blieb.
Und dann waren es drei Frauen, nach der Pause. Und Waibels Suche war perfekt. Denn mit Sonja Bumiller am Bass und vor allem mit Sylvie Häufle an den Drums waren die langen Traditionen der keltischen Musik im Heute angekommen.
Kantige, präzise, dramatisch gesetzte Schlagrhythmen gegen die lyrischen Pipes gesetzt, gegen die Bouzouki-Melodien, Ana Bienek, mit rauchig-rockiger Stimme, ganz ungewohnt, und die Fünf barsten vor Kraft, als krachten die Wellen gegen die Steilküste. Eine seltene Spontaneität und Spielfreude, ein Zusammenspiel aus dem Moment heraus, live, wie man es selten erlebt. Souveräne Takt-Wechsel in Waibels raffinierter Reise von der Türkei über Griechenland. Ein paar Proben nur, dann auf volles Risiko die Premiere gespielt. Und auf Anhieb ein Erfolg…
Die Bandbesetzung:
Ana Bienek: Gesang, Gitarre, Concertina
Sylvia Häufle: Drums, Gesang
Sonja Bumiller: Bass, Gesang, Akkordeon
Eckard Lehmann: Uilleannpipe, diverse Flöten, Highlandpipe, Gesang
Martin J. Waibel: E-Gitarre, Bouzouki, Mandoline, Gitarre, Gesang
Kontakt:
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