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Die Wintersonnenwende am 21.12.

Wintersonnenwende (wichtigsterTag des Julgürtels) und Fest des Apostels Thomas. Der Tag der Wintersonnenwende hat in vielen nicht-christlichen Kulturen einen wichtigen Status, vielleicht sogar den wichtigsten im Jahreslauf. Die immer länger werdenden Nächte und immer kürzeren hellen Perioden lassen eine Endzeitstimmung aufkommen, die heute sogar von Medizinern genau beschrieben ist.

Newgrange - astronomischer Präzisionsbau
Newgrange - astronomischer Präzisionsbau

Fehlendes Licht führt zu Depressionen. Und bevor man sich genaue Kalender erstellen konnte, da waren die Tage vor der Wintersonnenwende eben wie eine Sonnenfinsternis das untrügliche Anzeichen dafür, dass es dem Ende zuging. Irgendwann muss die Sonne ganz sterben, wird nicht wieder aufgehen, alles ist aus. Aber vielleicht verhindern ja religiöse Zeremonien das Ende … also wurde gebetet, gefastet, geopfert, gehofft. Und wenn die längste Nacht vorbei war, dann auch wieder kräftig gefeiert. Die Sonne, oft personifiziert als der Sonnengott, war neugeboren, die Welt gerettet. Nimmt es da noch jemand Wunder, dass die Kirche im vierten Jahrhundert Weihnachten in die Nähe dieses Datums rückte?

Dieser heidnische Hintergrund der Datierung des Geburt Christi ist fast völlig vergessen – ebenso die Tatsache, dass etwa heute noch Armenien und Äthiopien Weihnachten einige Tage später gefeiert wird (man feiert eher die Epiphanie denn die Geburt). Oder dass die frühen Christen Weihnachten im Januar, März, April oder September begingen, nie aber im Dezember (… wenn überhaupt, denn bis in die Mitte des dritten Jahrhunderts hielt man es für eine Sünde, die physische Geburt wie bei einem “gewöhnlichen Sterblichen” zu feiern).

Im heutigen Irland wird dem 21. Dezember allenfalls von neopaganistischen Gruppen Bedeutung zugemessen – und von der Tourismusindustrie. Dieser Tag ist nämlich der Höhepunkt der astronomischen Ausrichtungen auf der Insel: Die jenseits des Boyne aufgehende Morgensonne sendet ihren ersten Starhl durch die “Fensteröffnung” geradewegs in die hinterste Ecke der Grabkammer von Newgrange. Und jedes Jahr versuchen Tausende von Menschen, per Lotterie einen Platz im Innern des prähistorischen Monumentes zu ergattern, um dieses architektonische “Wunder” am eigenen Leib zu erleben.

Dass der “ungläubige Thomas” an diesem Tag gefeiert wird mag nicht von ungefähr kommen. Immerhin war er es ja, der die Möglichkeit der Wiedergeburt Jesu bezweifelte. Was für ein geeigneter Mann, um auf die Parallelen zwischen der Geburt des Sonnengottes und der Geburt des Sohnes Gottes hinzuweisen. Und, an diesen finstersten Tagen des Jahres, welcher Apostel sonst sollte geehrt werden als jener, der “in der Dunkelheit seines Unglaubens” irrte?

Nur am Rande sei auch der Geburtstag Heinrich Bölls (in Köln 1917 zur Welt gekommen) erwähnt – der deutsche Nobelpreisträger hat mit seinem “Irischen Tagebuch” schliesslich viele Deutsche in eine grenzenlose Hibernophilie katapultiert.




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