Weihnachtsdekoration in Irland
In vielen Städten wird das Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung als kleines Strassenfest begangen. Das kann nett sein, skurril oder auch eine Attacke auf den guten Geschmack.

Dublin im (nicht unbedingt sehr feierlichen) Lichterglanz
In den letzten Jahren sind immer mehr leuchtende Dekorationen zweifelhaften ästhetischen Wertes in die Hände der zuständigen Vereine und Behörden geraten, zum Teil mit musikalischen Effekten. Das kann schnell zu einer Überfütterung der Sinne führen … und manchmal zu wahrlich merkwürdigen Effekten.
Schlimmer noch sind die Privathaushalte, die grosse Teile des Einkommens auf illuminierte Verzierungen verwenden, die dann meist meilenweit zu sehen sind – wenn man nicht überraschend hinter einer Hügelkuppe mit ihnen konfrontiert wird und sich in einem Spielberg-UFO-Film wähnt.
Das eigentliche Weihnachtswunder ist da oft die Tatsache, dass die örtliche Stromversorgung nicht zusammenbricht ;-)

Traditioneller Weihnachtsschmuck
Traditioneller Weihnachtsschmuck
Traditioneller irischer Weihnachtsschmuck besteht aus immergrünen Pflanzen zusammen mit Beeren – vor allen Dingen Ilex, aber auch Efeu, Lorbeer und ähnliche Pflanzen. Als Sträusse oder Kränze gebunden oder (wenn für geeignet befunden) gleich so wie aus der Natur geschnitten, holte man diese Pflanzen in den letzten Adventstagen ins Haus. Eine beliebte Art der Verzierung war die Imitation von Schnee oder Frost mit Hilfe von Stärke oder auch Kalklösung, die auf die Blätter aufgetragen wurde (… dieselbe Kalklösung benutzten übrigens schon Krieger der Bronzezeit, um sich gewagte Frisuren zu verschaffen!).
Andere Verwendungsmöglichkeiten des Naturschmucks waren als Applikation auf Tüchern oder Papier, zum Teil in Form von Weihnachtsmottos oder -motiven. Kombiniert mit Resten und Abschnitten von Buntpapieren entstand so volkstümlicher Schmuck, der zwar wesentlich primitiver, aber ungleich persönlicher als der heute vorherrschende, oft in Asien gefertigte, kommerzielle Weihnachtsschmuck war.
Natürlich gab es auch schon früh eben solchen kommerziellen Schmuck. Beginnend im ausgehenden 19. Jahrhundert zogen fahrende Händler auch über Land und boten Weihnachtsdekorationen aus buntem Papier oder gedruckte Weihnachtsmotive feil.
Diese verblasste jedoch wieder gegen die seltenste, aber dennoch beliebte Dekoration mit Mistelzweigen – selten, weil eben die Mistel selbst in Irland relativ selten vorkommt. Der Brauch des “Küssens unter dem Mistelzweig” ist allerdings selbst in Mistel-gesegneten Gegenden nicht alltäglich gewesen.
Praktiziert wurde er unter anderem im County Armagh, wo Mädchen einen Zweig über die Tür hängten und dann die eintretenden jungen Männer küssen durften. Dieser Höhepunkt der vorehelichen Erotik hatte allerdings für die geküssten Männer auch einen hohen Preis, denn sie mussten im Gegenzug ein Weihnachstgeschenk überreichen!