”Oh Christmas Tree”
Der Missionar Bonifaz könnte die Schuld haben - er entdeckte im 8. Jahrhundert, dass die norddeutschen Heiden Bäume anbeteten. Prompt predigte der heilige Mann, man solle doch eher den Schöpfer des Baumes anbeten als den Baum selbst.

Weihnachtsbaum in Irland
Und der Schöpfer sei ja nun Gott … der Gott, nicht irgendein falscher Gott der Heiden. Auch wird Bonifaz nachgesagt, dass er am Weihnachtsabend eine heilige Eiche fällte und prompt eine Tanne aus den Wurzeln wuchs. Die wenig begeisterten Heiden allerdings kürzten daraufhin Bonifaz Lebenserwartung drastisch auf wenige Sekunden.
Im deutschen Sprachraum sind “Weihnachtsbäume” schon seit dem Mittelalter bekannt. Was der katholischen Kirche nicht unbedingt gefiel, das Symbol war mit zuviel heidnischem Ballast befrachtet. Dann kam Martin Luther, der nicht nur dem Teufel Tintenfässer hinterherwarf, sondern auch den mit Kerzen geschmückten Weihnachtsbaum mit dem sternenübersähten Himmel verglich. Er war ein Fan!
In den britischen Raum (und so auch nach Irland) kam der Weihnachtsbaum offiziell mit Prinz Albert, der seine Gemahlin Königin Victoria 1841 mit einem Prachtexemplar im Windsor Castle erfreut haben soll. Bestimmt nicht der erste Baum auf britischer Erde … deutsche Kaufleute, hessische Soldaten, Königin Charlotte, sie alle hatten ihre Weihnachtsbäume. Mit Albert aber wurde der deutsche Brauch erst richtig populär und schnell ein “must have” der gesamten Gesellschaft. Dickens schrieb über den Glanz des “German toy”, 1854 stellte man bei der “Great Exhibition” ein Exemplar auf …
Heute kann man landauf-landab Weihnachtsbäume sehen. In Dublins Einkaufsstrassen im Grossformat, in Autos als kleines beleuchtetes Accessoire – und in fast jedem Haus. Anders als in Deutschland üblich schleift man die Tanne jedoch bereits Ende November ins Haus, der Baum steht schon die gesamte Adventszeit geschmückt herum. Was oft zu einem Überfluss an Weihnachststimmung führt. Und bei deutschen Immigranten gelegentlich zur besorgten Nachfrage des irischen Nachbarn, so um den 1. Dezember herum: “I see you haven’t your tree up yet – do you have christmas trees in Germany?”
Um des lieben Friedens Willen sollte man vermeiden, auf die Erfindernation des Brauches hinzuweisen … und schnell Besserung geloben!