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Christmas Day

Christmas Day und Dies Natalis Solis Invicti (römisches Sonnenwendfest zu Ehren von Sol Invictus).
Die Mythologie des Weihnachtstages beginnt schon mitten in der Heiligen Nacht. Und zwar im teilweise geschmückten, zumindest aber mit reichlich qualitativ gutem Futter versehenen Stall.

Nicht nur in Irland geht die Legende, dass in dieser Nacht die Tiere, zumindest aber Ochs und Esel, für kurze Zeit sprechen können. Dies nutzen sie dann, um knieend zu beten – sagt man zumindest, denn der Respekt vor diesem Wunder verbietet natürlich ein heimliches Beobachten der Tiere! Vor lauter Enthusiasmus fangen auch Hähne zu nachtschlafender Zeit das Krähen an, und einen Hahn um Mitternacht zu hören galt als äusserst positives Omen.

Einige skurrile Bräuche zur Feier des Tages gab es auf lokaler Ebene. In Leinster etwa war es vielerorts Brauch, am Weihnachtsmorgen um fünf Uhr die Dorfkapelle mit Pfeifen und Trommeln loszuschicken, um das Jesuskind zu begrüssen (und wahrscheinlich auch garantiert den letzten Sünder zum Kirchgang zu wecken). In Cavan kletterten junge Männer noch in der Nacht auf die Drumlins und begannen, sich vor Sonnenaufgang gegenseitig von Hügel zu Hügel mit improvisierten Blasinstrumenten und lauten Rufen ein frohes Weihnachten zu wünschen. Auch hier war der gute Besuch der Frühmesse gesichert …

Für die meisten Menschen ist der Weihnachtstag der Tag, den man bevorzugt daheim und im Kreis der Familie verbringt. Besuche bei Nachbarn und Bekannten macht man nur auf ausdrückliche Einladung hin. Für soziale Begegnungen ausserhalb des Familienkreises gibt es immer noch die Kirche, deren Besuch nur ans Bett gefesselte Kranke und absolut verlorene Seelen unterlassen. Dabei bevorzugt man traditionell die Frühmessen, schliesslich will der Tag ja trotz aller Heiligkeit gut genutzt sein. Früher wurde dies durch lange Reihen von Laternen gekennzeichnet, mit denen sich die Kirchgänger durch die Dunkelheit vorarbeiteten. Heute ist der Parkplatz an der Kirche schon früh überfüllt und ein wie das Amen in der Kirche darauf folgendes Verkehrschaos beherrscht selbst das kleinste Dorf!

Aprospos Chaos – in manchen Dörfern ist es nicht ungewöhnlich, wenn junge Männer Hurleys mit zur Kirche bringen. Nicht, um alte Streitigkeiten zu klären. Nein! Unmittelbar nach dem Weihnachstgottesdienst teilen sie sich noch auf dem Kirchhof in zwei beliebig grosse Mannschaften und beginnen, sich den Ball gegenseitig abzujagen und möglichst in das eigene Ziel zu bringen. Dabei gibt es weder Regeln noch allzu grosse Rücksicht, manchmal nahm man sogar eine extra Lärm erzeugenden Ball zum Spiel. Auf Achill Island etwa spielte man sogar bei bitterster Kälte am Strand, ein “Aus” wurde erst gegeben, wenn der Ball so weit im Wasser war, dass die Spieler nicht mehr stehen konnten.

Während sich die Männer und Jungen mit solchen Spielen oder auch mit der Jagd vergnügten, war der Platz der Frauen einmal mehr am Herd. Schliesslich ist das Essen am Weihnachtstag traditionell das beste und reichhaltigste überhaupt und generell der ultimative Test für die Hausfrau. Wenn dann die hungrigen männlichen Horden einfielen, musste sich idealerweise der Tisch unter der Last des Essens biegen.

Nach dem Essen widmete man sich traditionell der Geselligkeit, erzählte Geschichten, sang oder spielte Gesellschaftsspiele. Dieser Teil der Weihnachtsfeier wird heute leider allzu oft durch ein Einschalten des Fernsehers ersetzt. Allerdings muss man bemerken, dass die rituelle Wiederholung von “The Sound of Music” oder “Die Hard” mittlerweile auch schon Bestandteile einer traditionellen irischen Weihnacht sind.

Der erste Weihnachtsfeiertag steht übrigens auch am Beginn einer besonders guten Zeit, das irdische Dasein hinter sich zu lassen. So sagt es jedenfalls der Volksmund: Wer an einem der zwölf Weihnachtstage verstirbt, soll einen besonders leichten Einzug in den Himmel haben. Die Pforten stünden schliesslich zu dieser heiligen Zeit weit offen.




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