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Wie mein Mann zu einem Druidenfluch kam

Erzählt habe ich von unserer Reise schon viel, ob ich es aufschreiben kann wird sich zeigen. Aber selbst wenn ich nur an unser ''Abendteuer Irland'' denke juckt es mich in den Fingern und ich möchte einen Flug buchen.
Zurück zu dem von meiner Tochter liebevoll ''Pferde-Bah-Strand'' getauften Strand, zurück zu den endlos wirkenden Wiesen umrahmt von Stechginster, zurück zu den Ruinen hinter denen man jeden Moment einen Koboldt zu entdecken glaubt.

Blühender Ginster in Irland
Blühender Ginster in Irland
Reisebericht von Janine Schulz
Reisebericht von Janine Schulz

Mein 1. Eindruck von Irland war: ‘‘Wieso reden alle von der grünen Insel? Hier ist doch alles Gelb’‘. Die Stechginster stand grade in voller Blüte.

Da waren wir nun in Irland. Nach den anfänglichen Panikattaken weil mein Mann meiner Meinung nach falsch herum durch den Kreisverkehr fuhr, konnte ich dann endlich auch entspannen und die Fahrt von Dublin nach Sligo genießen.

Natürlich haben wir vorher etliche Reiseführer gewälzt, einen Plan aufgestellt, wann wir was besichtigen wollen, Adressen aufgeschrieben, Ausflugziele minuziös geplant und alles bis ins letzte Detail ausgearbeitet… typisch deutsch eben.

Allerdings ticken die Uhren in Irland anders, man lernt nette Leute kennen und jeder hat einen Tipp was man unbedingt sehen sollte, relativ schnell haben uns nochmal samt Reiseführer zusammengesetzt und jegliche Pläne über Bord geschmissen, mal sehen wohin uns die Reise führt.

Zuerst ging es natürlich ans Meer, da wir uns ein Cottage angrenzend an eine Reitschule gemietet hatten, war der Strand natürlich ein beliebtes Ausritt-Ziel und bezeugte dieses durch Zahlreiche Hinterlassenschaften der Pferde, was meine Tochter dazu brachte am nächsten Tag zu fragen ob wir wieder zum Pferde-Bah-Strand gehen könnten.

Nun hatte ich das Buch ‘‘Round Ireland With A Fridge’‘ gelesen und wollte unbedingt das berühmte Glen sehen, leider hatte ich außer dem Hinweis, dass es in der Nähe von Strandhill liegt keinerlei Wegbeschreibung, also ging es los ins Ungewisse, erstmal nach Strandhill und dann mal weitersehen…

Dort angekommen, dachte ich mal wieder Typisch Deutsch… frag ich doch mal an einer Tankstelle nach, die werden das wohl wissen, aber weit gefehlt. Einfach an einer Tankstelle nach einem Glen zu fragen ist nicht die beste Idee… aber ich wusste nun das ‘‘Glen’‘ nur ein Überbegriff für ein Tal ist, durch das ein Fluss fließt.
Nun ja wieder was dazu gelernt.

Irland Reisebericht
Irland Reisebericht

Unsere Tour ging weiter, ich entfernte mich ein wenig von der Deutschen Denkweise und erinnerte mich an eine in dem Buch erwähnte Surfschule in der jemand arbeitet, der den Weg kennt. Also fuhren wir an den Strand, an dem uns natürlich mehr als eine Surfschule erwartete, ich fragte in der 1. nach ob jemand einen Typen kennt, der weiß wo das Glen aus dem Buch ist…
Ja, aber wie der Teufel es will, war der grade nicht da, aber ich erhielt eine vage Wegbeschreibung, da der Mann einer Freundin der Nachbarin dort wohl öfter mal auf Rave-Partys geht.

Die grobe Richtung in der wir nach dem Glen suchen müssen kannte ich nun also. Wir folgten der Beschreibung, die nach ‘‘den Kreisverkehr an der 3. Ausfahrt verlassen und dem Weg etwa 200 meter bis zur Kurve folgen’‘ etwas kurios wurde. Wir sollten einen eingefallenen Brunnen suchen und nach dem ‘‘Viewing Point’‘ hinter der 4. Kurve nach einem altem Tor Ausschau halten, das zugewachsen ist.
Wir fuhren eine Straße entlang, bei der das Wort Kurve wirklich nett umschreibt was einen dort erwartet, und vor uns ein Postwagen… natürlich fanden wir den eingefallenen Brunnen nicht. Aber da ich nun nichts mehr zu verlieren hatte, hielt ich einfach neben dem Postwagen und fragte den Briefträger ob hier irgendwo ‘‘The Glen’‘ sei… er selber kannte es nicht, bot aber an, ihm zu folgen, er müsste jetzt zu einer Frau die 100% wusste wo das Glen ist…

Natürlich schlugen wir diese Einladung nicht aus und folgten dem Postboten. Die Strasse wurde immer abenteuerlicher und langsam hörte auch der Straßenbelag auf und es erinnerte alles nur noch vage an etwas, das sich Straße nennt…
Aber da erschien ein herrschaftliches Haus hinter einem Hügel. Nur noch eine Schotterpiste mit ca. 60% Steigung, die unser gemieteter Corsa schaffen musste, trennte uns von der langersehnten Wegbeschreibung zu ‘‘The Glen’‘.

Wir folgten dem Postboten zum Haus und es öffnete eine Dame die ca. 120 Jahre alt war, aber uns obwohl wir fremd waren, liebevoll empfing. Sie kannte das Glen noch aus ihrer wie sie es nannte ‘‘wilden Zeit’‘ und zögerte nicht lang, uns den Weg zu erklären. Auch in dieser Beschreibung war wieder die Rede von einem eingefallenen Brunnen und einem alten Tor.

Der freundliche Postbote lauschte aufmerksam der Erzählungen und Beschreibungen der Dame und ließ ein paar Bemerkungen dazu fallen, dass er sie so gar nicht kennen würde. Ca. 30 min. später waren wir frohen Mutes, nun endlich den Weg zum Glen zu finden und der Postbote fuhr bis zu dem mehrfach erwähnten Brunnen vor uns her. Da standen wir nun, der Brunnen war da und auch das Tor fanden wir.

Irland Reisebericht
Irland Reisebericht

Es empfing uns eine unbeschreiblich friedliche Atmosphäre. Warm-feuchte Luft und eine atemberaubende Geräuschkulisse von fließendem Wasser über verschiedene Vögel bis hin zu unergründlichem Knacken und Rascheln im Geäst der verworren, teils mitten über die Wege wachsenden Bäume.
Der Pfad wand sich um Felsspalten, vorbei an bewachsenen Steinwänden, aus denen Rinnsale von Wasser plätscherten.

Wir genossen die Umgebung und folgten einfach dem Weg, der anfänglich noch einer war, aber immer schmaler wurde und sich mehr und mehr in einen Trampelpfad verwandelte. Bis irgendwann selbst dieser aufhörte.

Nun standen wir dort ohne zu merken, dass wir nicht mal mehr einem Trampelpfad gefolgt waren, befanden uns in einem Dickicht aus Farnen, Moos, alten Bäumen und einem Meer aus Bluebells.

Was jetzt??? Egal in welche Richtung wir schauten, alles schien gleich auszusehen. Wir entschieden uns für den Weg voran, irgendwann kommen wir sicherlich an eine Stelle an der wir das Gebiet überblicken können und wissen in welche Richtung wir müssen…

Der Weg führte uns vorbei an kleinen Bächen, über plätschernde Wasserfälle, bis zu einem Zaun. Was blieb uns anderes als umzukehren? Mein Mann war da anderer Meinung, nicht umsonst hat er “jahrelange Geländeübungen bei der Bundeswehr absolviert’‘, war jedenfalls seine Meinung’‘.

Warum wir trozdem in diese missliche Lange gekommen sind, uns verlaufen zu haben konnte er mir leider nicht beantworten.

Er erinnerte sich, also zurückversetzt… ob nun an einen Rocky Film oder seine Bunderswehrzeit ist mir bis heute schleierhaft, denn kurzerhand wurde aus einem stabilen Ast eine Machete und aus dem Zaun und dem unwegsamen Gelände ein Hindernisparcours, der zu absolvieren war.

Im Handumdrehen war mein Mann auf der anderen Seite des Zaunes, doch ich hatte noch einige Bedenken mich flach auf den Boden in eine nicht zu verachtende Schlammpfütze zu schmeißen und mich durch den doch immerhin von meinem Mann geschaffenen ca. 20 cm breiten Spalt unter dem Zaun her zu zwängen.

Er erklärte mir zwar, wie ich die Hacken abzuklappen habe und den Kopf neigen muss, aber nicht wie ich das Ganze überstehe ohne von oben bis unten (so wie er) mit Schlamm vollgeschmiert zu sein.

Irland Reisebericht
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Nach ca. 10 min. Diskussion (er besteht bis heute darauf, dass ich 1 Std. lang darüber gefaselt habe, dass die Hose neu ist und Schlamm das Leder meiner Schuhe ruiniert) blieb mir nichts anderes übrig, als zu versuchen unter dem Zaun her zu kriechen. Nachdem ich es geschafft hatte, passte ich farblich hervorragend zu der Umgebung, was mich ein wenig tröstete, denn ich konnte nun quasi unsichtbar werden, wenn ich mich flach auf den Rücken ins Gelände legte.

Ich folgte meinem Mann also nun weiter über eine Weide, die direkt ins nächste Dickicht führte, das mit einer nicht zu verachtenden Mauer, die bestimmt vor 1000 Jahren von Druiden gebaut wurde, so wie sie da stand, mitten im Dickicht, querfeldein einen Berg hinauf führend, auf uns wartete. Mein Mann war sich sicher, genau diese Mauer zu Beginn des Glens gesehen zu haben und versprach mir, dass wenn wir dieser Mauer den Hang hinuf folgten, wir wieder zu dem alten Tor kämen….

Irland Reisebericht
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Da ich bis dato noch nie einen bewachsenen, nassen, glitschigen Hang hinauf gekrochen bin, dachte ich mir nichts dabei als ich zustimmte es zu probieren. Nach ca. der (wie ich jetzt weiß) Hälfte des Weges ging es nur noch auf allen Vieren voran. Die Schlammspuren auf meiner Kleidung fielen kaum noch auf, da mittlerweile jegliche Flora, die dort wächst an mir klebte und meine Haare gar nicht mehr versuchten, sich der Geißel des Haargummis auszuliefern.

Mein Mann bot an hinter mir zu bleiben, sodass er mich halten könne wenn ich den Halt verlieren sollte: Den Vorschlag fand ich sehr edel und kroch also vor meinem Mann diesen Hang hinauf, bis ich ein Rumpeln und lautes Knirschen hörte. Ich drehte mich um und sah noch wie mein Mann sich zur Seite rollte. Da war es auch schon passiert: mein Mann wollte sich an der Mauer abstützen und hatte diese nun eingerissen. Die Mauer brach in sich zusammen, die Steine fielen auseinander, aufeinander und rollten den Hang hinab, mein Mann konnte nur noch entgeistert abwechselnd auf die Mauer und die immer mehr werdenden, den Berg hinabrollenden Steine schauen.

Nun hatte er es geschafft. Bestimmt 1000 Jahre stand diese Mauer dort, und mein Mann reißt sie ein, wir waren uns sicher, das zieht einen Druiden Fluch nach sich. Aber nichts desto trotz hatte er Recht. Wir hatten nur noch einige Meter vor uns, und da war es wieder, das alte Tor, wir waren wieder raus aus dem Glen.

Zwar von oben bis unten, hinten und vorne voller Schlamm, Dreck und Pflanzen und mein Mann fortan von einem Druidenfluch heimgesucht, aber wir haben es geschafft.

Nach diesem Abenteuer haben wir uns darauf geeinigt den goldenen Mittelweg zwischen völliger Aufgabe von Ausflugsplänen und minuziös geplanten Ausflügen zu finden und verbrachten noch 2 teils aufregende teils überraschend ruhige Wochen in unserem Lieblingsland IRLAND.

Text und Fotos: Janine Schulz

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