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Begegnungen

Eine der wichtigsten und eindruckvollsten Begegnungen mit Musik und älteren Pubbesuchern, die ich unbedingt noch erzählen möchte, war ein für mich unvergesslicher Abend im Pub.

Reisebericht von Manuela Löffler
Reisebericht von Manuela Löffler

Da meine Schwester vor hatte im Sommer zu heiraten, beschlossen meine Mutter und ich, als Junggesellinenabschied für einige Tage nach Irland zu reisen. Wir hatten ein nettes älteres Cottage in der Nähe von Tipperary Town und verstanden uns prächtig mit dem Landlords. Nach einigen Besuchen luden sie uns ein, zu einem sehr traditionellen älteren Pub, an dem „gesungen“ werden sollte an diesem Abend, zu traditioneller Musik. Gern nahmen wir an. Dann ging es los.

Irland Reisebericht
Irland Reisebericht

Ich, da ich mich immer selber als Fahrer auserkoren habe, raste ihnen hinter her. Nach kurzer Zeit, und etlichen Kreuzungen, mit Schleichwegen später, hatte ich sämtliche Orientierung verloren. Als die Sonne unterging, bogen wir, hinter einer grünzugewachsenen Steinmauer, in einen Hof ein.

Vor uns der wohl älteste Pub Irlands, naja, einer von vielen. Wir folgten den anderen in einen Nebenraum der dominiert wurde von einem 2 Meter breiten Kamin. Im kompletten Raum, waren Bänke und Stühle aufgestellt, von denen einige schon besetzt waren.

Wir ließen uns in einer Ecke des Raumes nieder und zogen die Atmosphäre ein. Unser Gastgeber fragte uns nach unseren Trinkwünschen und lud uns ein. Meine Schwester fragte nach einem Guinness und meine Mutter, die gerne mal bei einem Whiskey-Tasting zugegen ist, freute sich sehr über die Gelegenheit, in authentischem Ambiente, ein Gläschen des irischen Lebenswassers zu trinken.

Was sie nicht bedacht hatte, war die irische Auffassung von einem „Gläschen“. Unsere Begleitung brachte meiner Schwester eine Flasche Guinness, mir ein gewünschtes Wasser und meiner Mutter, ein „normales“ Trinkglas ¾ gefüllt.

Während wir uns angeregt unterhielten, füllten sich die Stühle. Nur von der versprochenen Band war noch keine Spur zu erkennen.

Als ungefähr 40-50 Leute dicht zusammengedrängt in den Raum saßen, hörte ich aus einer Ecke jemand auf einer Fiddle spielen. Es war ein älterer Herr, der mir nicht sonderlich aufgefallen war, aber er spielte traumhaft schön. Ich konnte buchstäblich den Wind durch die irischen Wiesen blasen sehen vor meinem inneren Auge. Plötzlich aus einer anderen Ecke, Akkordeonlaute, die zur gleichen Melodie spielten. Immer mehr Instrumente im Raum verteilt, fügten sich in die Melodie mit ein. Noch mehr Geigen, Gitarren, ein Banjo, Tin Wistles und natürlich eine Bodhran.

Für mich faszinierend war, da ich mit desinteressierten Jugendlichen arbeite, dass viele Kinder und Jugendliche auch mitspielten. Und das nicht schlecht! Im Gegenteil, es gab kaum Unterschiede zu den erfahrenen Spielern. Sie spielten mit so einer Begeisterung und Leidenschaft, die mir fast Tränen in die Augen trieben. Da war auch ein etwa 8 jähriger Knirps, der sich vor dem Kamin, hinter seiner riesigen Bodhran, versteckte.

Wie auf ein stummes Kommando, endete das Lied. Meine Mutter beschloss zu diesem Zeitpunkt, dass sie auch eine Runde spendieren wollte. Was unsere Landlords sehr freute, und sie sich bedankten indem sie uns auch wiederum einluden. Natürlich blieben wir bei der Anfangsbestellung, also Guinness, Wasser und …Whiskey.

Als die Musiker nach ein paar Liedern eine Pause einlegten, stand einer der Zuhörer auf. Er begann eines der schönsten Lieder zu singen, das ich je gehört hatte. Als er fertig war, stand jemand anderes auf und sang, der ganze Raum, stimmte dann im Refrain mit ein. Es war einfach nur wunderschön. Irgendwann spielte dann wieder die Musik und wir waren mittlerweile bei Runde 4. Es war wirklich beeindruckend zuzusehen, wie schnell und wie viel die Iren, in kürzester Zeit zu sich nehmen konnten. Wir waren bei weitem noch nicht mit unseren zweiten Getränken fertig, schon drückte uns jemand etwas neues in die Hand. Meine Mutter hatte zu diesem Zeitpunkt eine kleine Bekanntschaft gemacht, mit der sie sich, leicht angedudelt, in gebrochenem englisch unterhielt.

Ihre Bekanntschaft, ein etwa 70 jähriger, weißhaariger Witwer, war sehr angetan von ihr. Worauf die nächste Runde lief.

Als wieder eine Singrunde angestimmt wurde, war ich schon nicht mehr anwesend. Ich schloss die Augen und reiste innerlich durch Irland.

Schockiert wachte ich wieder auf, als unser irischer Begleiter groß verkündete, dass sich wohl einige deutsche Besucher hier im Raum befinden würden, die gerne alle mit deutschem Liedgut unterhalten möchten.
Schreckstarre!

Irland Reisebericht
Reiseberichte Irland

Ich schaute meine Schwester an und diese mich. Wir hatten wirklich keine Ahnung von deutschen Volksliedern, wir hatten lediglich ein paar irische Lieder im Kopf, die wir mittags eingeübt hatten. Denn wir wollten nicht mit dem allseits bekannten „ oh Danny Boy“ ankommen. Gespannt starrten uns alle an. Mein Kopf war leer, und nach dem Blick meiner Schwester zu urteilen, ihrer auch. Da uns nichts Besseres einfiel, sangen wir „Mein kleiner grüner Kaktus“. Wir sangen nicht schön, aber wir sangen laut und mit vollem Körpereinsatz.

Wie die Iren so schön sagten, „We don’t want People who can sing, we want People who try“! Dem Applaus nach zu urteilen, waren wir wohl auch nicht schlecht. Geschmeichelt wurden wir wieder eingeladen. Froh, das hinter uns zu lassen, hörten wir wieder der wunderschönen Musik zu. Unterdessen hatte meine Mutter schon einen Antrag von ihrem Verehrer bekommen. Da er sowieso bald sterben würde, würde sie seine ganzen Ländereien erben, er wäre ein wohlhabender Farmer in Donegal. Meine Mutter, nun auch mit Händen und Füßen sprechend, verneinte dankend, wäre sie aber nicht glücklich verheiratet, würde sie es sich überlegen. Meine Schwester und ich hatten uns so geschüttet vor Lachen. Unsere Mutter so schüchtern zu sehen, war ein seltener Anblick.

Um dem Alkohol entgegen zu wirken, wurde Black und White Pudding auf Broten verteilt. Noch nie hatte es mir so gut geschmeckt. Obwohl ich dem Traditional Irish Breakfast nie widerstehen kann. Raffgierig aßen wir, denn es folgte eine weitere Runde.
Plötzlich wurde es still, da es schon 1 Uhr war, wurde dieser wunderschöne Abend von der Garda unterbrochen. Grinsend und aufgeregt, verließen wir mit den anderen Besuchern den Pub. Natürlich tat uns der Pubbesitzer leid, aber wir genossen den Abend, denn mit dem Auftauchen der Ordnungshüter, hatte der Abend noch richtig aufgehört.
Durch die ganze Flüssigkeitszufuhr, stellte sich das nächste Problem ein. Eine Toilette! Leider gab es keine in diesem Pub, und es war unmöglich schnell irgendwo anzuhalten. Ich hätte den Heimweg nie wieder alleine gefunden, also fuhren wir wieder den Landlords hinterher, der Druck wurde immer schlimmer. Jedes Loch und jede hubbelige Straße verstärkte das Bedürfnis. Als wir mit Vollbremsung vor unserem Cottage hielten, rannten wir schnell ins Badezimmer, jede mit dem Ziel der Erste zu sein. Erleichterung und Zufriedenheit machte sich breit und wir fielen todmüde in unsere Betten.
Ein durchaus gelungener Abend fand ein ruhiges Ende. Zufrieden schliefen wir ein, bis auf das angetrunkene Schnarchen aus dem Schlafzimmer meiner Mutter.

Ich könnte ewig so weiter machen und erzählen, aber es muss ja Raum bleiben für ein Zugabe.

Irland Reisebericht
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Bevor ich wieder Heimweh nach dem Land der Feen und Kobolde bekomme, möchte ich zum Abschluss nur sagen, wie sehr mir diese Insel ans Herz gewachsen ist. Ich bitte alle mindestens einmal in ihrem Leben dorthin zu gehen. Lassen sie sich verzaubern von Land und Leuten, genießen sie die Gastfreundschaft und reden sie mit jedem Hund den sie treffen. Sie werden sehen, sie sind schnell Freunde. Das Wetter ist nicht so abschreckend wie man denkt, denn man sollte nie vergessen:
Es ist das Land der Regenbögen, also gibt es soviel Sonne wie Regen.

Text und Fotos: Manuela Löffler

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